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BAO-Depesche; Ausgabe 37, November 2015
BAO intern - Nachrichten aus erster Hand
Meinung und Standpunkt des BAO auf den Punkt gebracht

BAO Präsidium
Keine konkrete Zukunftsvision für das Ambulante Operieren

BAO Positionen
Große BAO-Medienkampagne zur Bundestagswahl 2017
IAAS-Kongress, Peking 2017: Exklusive BAO-Studienreise durch China
ZiPP: Honorare reichen nicht für notwendige Praxisinvestitionen

BAO Regional
LAO Baden-Württemberg wirbt um neue Mitglieder
LAO Niedersachsen: Beanstandungen des Gewerbeaufsichtsamts

BAO Recht
Unbeschränkte Mitwirkungspflichten des Vertragsarztes

BAO Qualität
Update: Perioperative Schmerztherapie bei ambulanten Operationen
Stellenwert von Hygieneanforderungen beim Ambulanten Operieren

BAO Partner
Sterne für Ihre Praxis mit dem goDoc-Qualitätssiegel
Was bringt das neue GKV-Versorgungsstärkungsgesetz ?

Politik und Kassen haben keine konkrete Zukunftsvision für das Ambulante Operieren
Freiberufliche Strukturen ambulanter Operateure und Anästhesisten könnten demnächst wieder an die Kliniken angegliedert werden.

Von Dr. Axel Neumann


Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
die Firma B. Braun Melsungen hatte am 26. September 2015 zu einem „Forum Ambulantes Operieren“ nach Berlin in das Langenbeck Virchow-Haus eingeladen. Dies ist zunächst ein besonderer Umstand, denn Einladungen von Industriepartnern zur Thematik des Ambulanten Operierens sind selten geworden. Die meisten Tagungen zu diesem Thema werden entweder von den Fachgesellschaften oder von den Berufsverbänden selbst veranstaltet. Der interdisziplinäre Charakter der Veranstaltung war gekennzeichnet durch eine besondere Themenvielfalt von der Gesundheitspolitik bis zum perioperativen Management.
Besonderer Dank gilt dem Industriepartner dafür, dass es gelungen ist, namhafte Referenten als Vertreter von Politik und Krankenkassen und Gesundheitsökonomie an diesem Tag erfolgreich nach Berlin einzuladen. Etwa 120 Teilneh- mer verfolgten dann auch sehr gespannt das Impulsreferat von Dr. Hermann Schulte-Sasse, bis Juli 2015 parteiloser Senator für Gesundheit in Bremen, früher beim AOK- Bundesverband in Bonn und Abteilungsleiter im Bundes- gesundheitsministerium bis 2001 unter Andrea Fischer.

Freundliche Würdigung, aber keine Förderung
Man kann getrost davon ausgehen, dass Dr. Schulte-Sasse durch seine vielfältigen Aufgaben als Player an verschiedenen Stellen im Gesundheitswesen das Ambulante Operieren als besonderes Leistungsangebot von selbständigen Vertragsärzten zu würdigen weiß. Wie immer konnte man den Eindruck gewinnen, dass alle, auch er, das Ambulante Operieren sehr begrüßen – Mittel und Wege zur Förde-
rung dieser Versorgungsform jedoch nicht erkennen oder weisen wollen.
Erkennbar war erneut auch, dass Politiker zumindest heute nicht bereit sind, die Strukturen des selbständigen Ambulanten Operierens durch Vertragsärzte vom Ambulanten Operieren im Krankenhaus (siehe SGB V § 115 b) zu unter- scheiden. So fehlten konkrete Visionen für die Zukunft des Ambulanten Operierens, nicht aber der Hinweis, dass Geld im Verteilungskampf der Ärzte verloren geht.

Dramatischer Preisverfall in beiden Sektoren
Der Jurist Franz Knieps, Vorstand des BKK-Bundesverbandes, früher ebenfalls für den AOK-Bundesverband tätig und dann bis 2009 Abteilungsleiter im Bundesministerium für Gesundheit als Referent von Ulla Schmidt, schlug ähnliche, aber verbindliche Töne an. Insbesondere der Blick auf seine berufspolitische Vergangenheit macht aber erneut klar, dass das Ambulante Operieren bestenfalls als förderungswürdige gemeinschaftliche Leistung von Krankenhäusern und Vertragsärzten gesehen wird.
Ich habe die Referenten mit der nachhaltig begründeten These konfrontiert, dass die Krankenkassen bundesweit ein gezieltes Preisdumping auf chirurgische und anästhesiologische Leistungen ausüben und das Ziel der Verlagerung vom stationären in den ambulanten Sektor vor allem nicht eine bessere Vergütung von ambulanten Leistungen ist. Denn dem Leistungstransfer von stationär nach ambulant durch Mengenabschläge und Verkürzung der Behandlungsdauer folgt trotz aller Beteuerungen immer noch kein Budgettransfer. Wie oft ist uns dieser in der Vergangenheit versprochen worden!

Sektorengrenzen werden starr verteidigt
Der ehemalige KBV-Vorsitzende Köhler benannte deshalb auch als Vision ein gemeinsames Budget für ärztliche Leistungen an der Schnittstelle ambulant-stationär unter besonderer Berücksichtigung des Ambulanten Operierens, das sich leistungsbezogen aus beiden Geldtöpfen berech- net. Allein die dreiseitige Umsetzung derartiger neuer Zielvereinbarungen scheint ihm (und mir) in naher Zukunft allerdings schwierig bis unmöglich, da die Sektorengrenzen weiterhin starr verteidigt werden und eine „ambulante DRG“ insbesondere für spezielle fachärztliche Leistungen wie das Ambulante Operieren noch in weiter Ferne ist.
Ich habe die Gelegenheit benutzt und Herrn Knieps direkt noch einmal an die hervorragend ausformulierten und ausgestatteten Selektivverträge zum Ambulanten Operieren in der Vergangenheit erinnert. Die BKK Taunus war schließlich eine Keimzelle dieser Selektivverträge, die teilweise flächendeckend, teilweise bundesweit sehr viele Probleme im Zusammenhang mit dem Ambulanten Operieren erfolgreich gelöst haben und dennoch gekündigt wurden.
Wir haben auf dieser Veranstaltung klargestellt, dass heute die Krankenkassen ganz bewusst die schon im Oberender- Gutachten 2010 berechneten Überschüsse nach Verlagerung von stationären Operationen in das AOP einkassieren.
Vertragsbestandteile, nach denen heute erneut öffentlich gerufen wird, wie Mengenkontrolle, festgeschriebene Behandlungspfade, Übernachtung bei sozial-medizinischer Indikation usw., waren in den Selektivverträgen der Vergangenheit beispielhaft und vorausschauend realisiert. Es ist schon seit langem die Forderung des BAO, diese Selektivverträge neu zu beleben und damit auch den Empfehlungen des Sachverständigenrates zu folgen.

Zarte Vertragspflanzen gilt es zu gießen
Dr. Stephan Dittrich (BDC) und Dr. Andreas Bartels (BAO und Präsident der Deutschen Praxisklinikgesellschaft, PKG) demonstrierten in Ihren Referaten, dass es an der Schnittstelle ambulant-stationär tatsächlich immer noch zarte Pflanzen der Vertragsgestaltung gibt, die es zu gießen gilt. Fast immer handelt es sich jedoch um Insellösungen, nicht um die vom BAO angestrebte prinzipielle Neuordnung der Vergütung ambulanter Operationen. Dennoch war aus Sicht des BAO diese dankenswerte Veranstaltung ein guter Schritt in Richtung einer neuen Gesprächskultur zwischen den Playern im Gesundheitswesen zum Thema Ambulantes Operieren.

Interne Querelen nicht nach außen tragen

Aus ganz anderen Gründen sah sich der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen vor kurzem genötigt, die Rückkehr zu einer „programmatischen Debattenkultur“ zu fordern. Wiederholte Querelen zwischen einzelnen Kassen- ärztlichen Vereinigungen und der KBV mit ungehindertem Informationsfluss nach außen haben das Image der Selbstverwaltung sowohl gegenüber der Ärzteschaft als auch gegenüber Politikern erneut stark beschädigt. Die Beweg- gründe für diese Schlammschlacht sind hier im Einzelnen in Kürze gar nicht sachlich darstellbar – feststeht, dass andere milliardenschwere Unternehmen die Bezüge ihrer (Ex-) Vorstandsvorsitzenden nicht selbstzerstörerisch in der Öffentlichkeit diskutieren und dazu auch noch Politiker involvieren.

Umso wichtiger wird es offensichtlich, die Arbeit des Spitzenverbandes Fachärzte (SpiFa), dessen Gründungsmitglied der BAO ist, weiter intensiv zu unterstützen. Auf seiner Klausurtagung nach der Mitgliederversammlung Anfang September haben wir nach Abschluss der Satzungsfragen nun endlich damit begonnen, uns Sachthemen zuzuwenden. Dazu gehört auch im Spitzenverband die intensive Beschäf- tigung mit der zukünftigen Versorgung an der Schnittstelle ambulant-stationär, die strategisch auch die vertragsärztlichen Operateure und Anästhesisten betreffen wird.

Defizitäre Kliniken brauchen Partner
Die Chance könnte für viele fachärztliche Spezialisten genau an dieser Stelle liegen, wenn defizitäre Krankenhäuser neue Kooperationspartner suchen (müssen). Der BAO hat in der Vergangenheit des Öfteren, zuletzt auf dem NARKA 2014, die aktive Gründung von kliniknahen Strukturen durch Operateure und Anästhesisten gemeinsam gefordert. Wir dürfen hier nicht den Fehler begehen, uns in Abhängigkeit von Verwaltungsleitern zu begeben, sondern müssen diese Konzepte selbst, progressiv, strategisch langfristig und federführend erstellen.
Um es einmal andersherum auszudrücken: Es ist für mich gut vorstellbar, dass schon in naher Zukunft viele AOP- Einheiten an oder in Krankenhäuser verlagert werden, da uns schon jetzt die ökonomischen Mittel für Reinvestitionen und Strukturangleichungen fehlen. Wir werden deshalb gemeinsam mit den Berufsverbänden und Ärztegenossenschaften (Ocunet) verstärkte Anstrengungen unternehmen, um zumindest den Hygienezuschlag für Ambulante Opera- tionen bei den Krankenkassen einzufordern. Diese Zusatzkosten betreffen vorrangig Ambulante Operationszentren wie sie im BAO oder in der PKG organisiert sind.
Mit dem Blick in die Zukunft verbleibe ich mit der Aufforderung an alle Operateure jeder Disziplin, alternativ jetzt freiberufliche fachärztliche Strukturen zu unterstützen und stationsersetzende Operationen bzw. Leistungen mit fairer Verteilung der Kosten möglichst dort gemeinsam zu erbringen. Es könnte sein, dass es diese Strukturen – politisch gewollt und im Versorgungsstrukturgesetz 2015 schon angedeutet – sonst eines Tages nicht mehr gibt.

Mit besten kollegialen Grüßen,
Ihr Axel Neumann

Bundestagswahl 2017: Der BAO informiert die Bevölkerung mit großer Medienkampagne
Zu den Maßnahmen zählen Praxisplakate, eine Info-Website, Praxis-TV, Shortfacts, Twitter-Nachrichten und Infobriefe an die Politik.

Von Dr. Jörg Hennefründ


Im Herbst 2017 wird ein neuer Bundestag gewählt. Die gesundheitspolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre verheißen nichts Gutes: Das sogenannte „GKV-Versorgungsstärkungsgesetz“ ist in Wahrheit ein Programm, mit dem die Politik die Stellung der niedergelassenen, ambulant operierenden Ärzte kontinuierlich geschwächt hat. Daher sieht sich der BAO gezwungen, im Vorfeld der nächsten großen Wahl durch die Öffentlichkeit Druck aufzubauen. Nur so erscheint es uns möglich, den Forderungen des
BAO bei der Politik Gehör zu verschaffen.
Die nötige öffentliche Aufmerksamkeit wollen wir mit einer breit angelegten Medienkampagne erzielen, für die wir nach einem Beschluss des erweiterten Präsidiums im Februar 2015 eine spezialisierte Agentur gewonnen haben. An der Kampagne werden sich neben dem BAO auch der Berufs- verband der Deutschen Chirurgen (BDC), der Berufsverband Niedergelassener Chirurgen (BNC) und der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) beteiligen.

Politische Botschaften auf allen Kanälen
Die Kampagne beginnt im Januar 2016 und läuft bis zur Bundestagswahl im Herbst 2017. Dabei wird den Praxen der Verbandsmitglieder monatlich regelmäßig mindestens eine politische Botschaft zur Verfügung gestellt. Hierfür werden gesundheitspolitische Themen auf Bundes- und gegebenenfalls auch auf Landesebene aufgegriffen. Wir werden die Politik aus unserer Sicht kommentieren und unsere Botschaften in die Wartezimmer und in die Medien tragen. Hierfür wird die Agentur Praxisplakate und Beiträge für das Praxis-TV entwerfen, eine Info-Website pflegen, aktuelle Shortfacts veröffentlichen und ein Twitter-Konto anlegen, über das unsere politischen Botschaften verbreitet werden.
Die Agentur wird alle Inhalte in digitaler Form so übermitteln, dass sie individuell weiter benutzbar sein werden. Alle gängigen Formate werden digital für das Praxisfernsehen und für Praxis-Homepages zur Verfügung gestellt. Die Poster für die Wartezimmer werden so vorbereitet, dass sie von jeder Praxis im Copy-Shop für kleines Geld sofort ausgedruckt werden können – ohne weitere Bearbeitung. Die aktuellen Shortfacts werden so angelegt, dass sie von Farbdruckern in den jeweiligen Praxen ausgedruckt werden können. Alle Inhalte werden auf einer Info-Website gespeichert, auf der sich auch Patienten artikulieren können. Bei Bedarf können zu aktuellen Themen auch Abstimmungen bzw. Umfragen unter den Patienten durchgeführt werden.

Auch das BMG erfährt von unserer Kampagne

Weiterhin werden wir im Rahmen der Kampagne in regelmäßigen Abständen Infobriefe an das Gesundheitsministerium und an die Krankenkassen versenden. Darin werden wir die an unsere Patienten übermittelten Inhalte und die damit verbundene Anzahl von Personenkontakten in den beteiligten Arztpraxen pro Quartal übermitteln. Wir hoffen deshalb auf die rege Teilnahme aller Mitglieder der beteiligten Verbände an dieser großen Kampagne.
Außerdem sind wir sehr gespannt, wie die Kampagne von der (Fach-) Öffentlichkeit aufgenommen wird. Um erste Eindrücke hierzu zu sammeln, werden wir im Rahmen des Bundeskongresses Chirurgie Ende Februar 2016 in Nürnberg die Pressevertreter der beteiligten Verbände sowie Journalisten insbesondere der Fachpresse zu einer Podiumsdiskussion über die Medienkampagne und einem anschlie- ßenden Presse-Lunch am BAO-Stand einladen.

IAAS-Kongress im Mai 2017 in Peking: Exklusive Studienreise durch China für BAO-Mitglieder
Zusammen mit einem Reisebüro plant der BAO eine Rundreise durch China, verbunden mit Kongressbesuch und Trip nach Hong Kong.

Von Dr. Petra Tietze-Schnur

Im Mai 2017 findet der nächste Kongress der International Association of Ambulatory Surgery (IAAS) in Peking statt. Nach den vergangenen beiden IAAS-Kongressen habe ich mich immer darüber geärgert, dass nur wenige BAO- Mitglieder den Kongress besuchen – obwohl dieser doch die beste Gelegenheit darstellt, sich mit ambulant operierenden Kollegen aus der ganzen Welt auszutauschen. Beim nächsten IAAS-Kongress soll das anders werden.

Angenehmes mit Nützlichem verbinden

Um den Kongressbesuch für BAO-Mitglieder attraktiv zu machen und das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, habe ich mich mit einem erfahrenen Reisebüro in Verbindung gesetzt, das im Auftrag des BAO ein Reisepaket rund um den IAAS-Kongress in Peking erarbeiten wird.
Das Reisepaket wird modular aufgebaut sein und aus dem Besuch des IAAS-Kongresses (inklusive Kongresshotel in Peking), einer Rundreise durch China (inklusive Besichtigung der Chinesischen Mauer) und einem Trip nach Hong Kong bestehen. Alle Module werden frei miteinander kombinierbar sein, so dass Sie sich Ihr persönliches Wunschpaket selbst konfigurieren können.
Die Rundreise durch China nennt sich „China Highlights mit Yangtze“ und umfasst unter anderem die Langstreckenflüge von Frankfurt nach Shanghai und Peking und zurück, Flughafensteuern und Sicherheitsgebühren, Beförderungen und Transfers in China, Besichtigungen inkl. Eintrittsgelder, sieben Übernachtungen in Hotels, vier Übernachtungen
in der Außenkabine eines 4-Sterne-Flusskreuzfahrtschiffs, eine Nachtzugfahrt im 4-Bett-Abteil, Verpflegung und Reiseleitung. Die Kosten für die Rundreise werden sich nach derzeitigem Stand auf etwa 2.200 Euro pro Person im Doppelzimmer belaufen.
Wer mag, kann auch einen viertägigen Trip nach Hong Kong inklusive deutscher Reiseleitung und verschiedenen Besichtigungstouren durch die Metropole dazu buchen. Dieser Trip wird pro Person im Doppelzimmer etwa 570 Euro kosten. Hinzu kommt der Aufenthalt in Peking während des eigentlichen Kongresses. Hier liegen bereits Angebote zwischen 200 und 276 Euro für vier Nächte im Doppelzimmer vor; sobald das Kongresshotel feststeht, kann das Reisebüro auch hierfür konkrete faire Konditionen aushandeln.
Ich hoffe, dass sich angesichts dieser spannenden Reiseoption beim nächsten IAAS-Kongress deutlich mehr Mitglieder des BAO zu einer Teilnahme entschließen. Ich werde Sie in den kommenden Ausgaben der BAO Depesche über die Termin- und Reiseplanung auf dem Laufenden halten.

Kontakt:
http://www.iaas-med.com/

Zi-Praxis-Panel: Honorare reichen nicht für notwendige Investitionen in den Praxen
Vertragsärzte sind derzeit nicht in der Lage, ihre Praxen zu modernisieren. Die KBV warnt bereits vor sinkender Versorgungsqualität.

Von Antje Thiel

  Anfang September 2015 hat die Kassenärztliche Bundes- vereinigung (KBV) die Ergebnisse des jüngsten Praxis-Panels des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi), kurz ZiPP genannt, vorgestellt. Dabei handelt es sich um den Jahresbericht 2013, der die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der vertragsärztlichen Versorgung der Jahre 2009 bis 2011 beleuchtet. Der ZiPP-Jahresbericht analysiert die Angaben von 4.678 Praxen. An der Erhebung ausschließ- lich des Jahres 2013 nahmen 5.539 Praxen teil, was einem bundesweiten Anteil von 5,6 Prozent entspricht. Es handelt sich damit um das aktuellste verfügbare Zahlenmaterial.
Hochwertige Versorgung dauerhaft sichern
Bei der Vorstellung des Jahresberichts erklärte der KBV-Chef Dr. Andreas Gassen: „Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen müssen wirtschaftlich in der Lage sein, ihre Praxen zu modernisieren. Das ist erforderlich, um die gewohnt hochwertige Versorgung der Patienten dauerhaft zu sichern. An diesem Grundsatz müssen sich die Krankenkassen orientieren – erst recht bei den derzeit laufenden Verhandlungen zur finanziellen Ausgestaltung der ambulanten Versorgung von 70 Millionen Versicherten.“
Allerdings belegt der jüngste ZiPP-Jahresbericht, dass nie- dergelassene Ärzte ihre Investitionen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefahren haben. Zwischen 2010 und 2013 seien die Abschreibungen um 13,5 Prozent gesunken, die Aufwendungen für Leasing und Mieten für Geräte um 5,9 Prozent. Gleichzeitig seien die Kosten für Wartung und Instandhaltung um 11,8 Prozent gestiegen.
„Es geht um den Substanzerhalt in der ambulanten Versorgung“, warnte Gassen, „Honorarverhandlungen nach Kassenlage sind absolut nicht das Gebot der Stunde.“ Er verwies dabei auch auf die gestiegene Bedeutung der GKV-Einnahmen für die wirtschaftliche Lage der Arztpraxen insgesamt. Deren Anteil an den Gesamteinnahmen stieg von 73,3 Prozent im Jahr 2010 auf 74 Prozent im Jahr 2013.
Die wirtschaftliche Lage von Arztpraxen hat sich dem ZiPP zufolge insgesamt deutlich verschlechtert. Während die Jahresüberschüsse in den Praxen inflationsbereinigt zurückgingen, stiegen die Betriebskosten im Zeitraum 2010 bis 2013 um 7,6 Prozent und damit weitaus mehr als die Verbraucherpreise (5,7 Prozent). Der stärkste Anstieg bei den Ausgaben war bei den Aufwendungen für Personal mit 16,5 Prozent zu verzeichnen.
Ende Mai 2015 erhielten die Teilnehmer am ZiPP, die ihre Kennzahlen für den aktuellen Jahresbericht zur Verfügung gestellt hatten, individuelle Berichte, anhand derer ZiPP- Teilnehmer die betriebswirtschaftlichen Planungen für ihre Praxis überprüfen können – bei Bedarf in Rücksprache mit Steuerberater, Kassenärztlicher Vereinigung oder Bankberater. Die Vergleichsparameter reichen von A wie Alters- struktur bis zu W wie Wochenarbeitszeit.
Vergleichszahlen von fachgleichen Praxen
Die Berichte dokumentieren etwa, wie viele Stunden Ärzte und Praxismitarbeiter durchschnittlich arbeiten und wie alt die Patienten sind. Dabei werden jeweils den Werten der eigenen Praxis Vergleichszahlen aus derselben Fachgruppe gegenübergestellt – so können Ärzte ihre eigene Situation mit der von Kollegen vergleichen. Unter www.zi-pp.de können teilnehmende Ärzte außerdem in einem persön- lichen Bereich Schwerpunktanalysen einsehen. Im nächsten ZiPP werden auf Basis der steuerlichen Überschussrechnung der Praxen die Daten aus dem Zeitraum 2012 bis
2014 erfasst.

LAO Baden-Württemberg wird wiederbelebt und wirbt um neue Mitglieder
Der LAO will eine Geschäftsstelle einrichten, Mitglieder zeitnah informieren, Workshops anbieten und bei der Praxisabgabe beraten.

Von Dr. Jürgen Lambert

Der BAO ist seit seiner Gründung zusammen mit seinen Landesverbänden die Interessenvertretung der ambulant tätigen Operateure und Anästhesisten schlechthin. Er hat wesentlich die Entwicklung, Verbreitung und Etablierung des Ambulan- ten Operierens in der Öffentlichkeit, bei unseren Patienten, in der Politik und gegenüber den Kostenträgern geprägt.
Die Stabilisierung unserer Tätigkeit auf qualitativ hohem Niveau und die hohe Patientenakzeptanz sind das Verdienst der erfolgreichen Lobbyarbeit der aktiven BAO- und LAO- Vorstände, vor allem aber von Ihnen, unseren Mitgliedern.
Allerdings verzeichnen sowohl der Bundesverband als auch seine Landesverbände seit einer Weile einen Mitgliedeschwund – in erster Linie, weil ausscheidende Mitglieder keine Praxisnachfolger finden, gelegentlich auch aufgrund mangelnder Einsicht in die Notwendigkeit einer breit aufgestellten Interessenvertretung. Insbesondere in Baden- Württemberg war diese Interessenvertretung nicht immer einfach, da unsere Selbstverwaltung hier solide und im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten auch erfolgreich mit Sonderverträgen neben dem Medi-Verbund tätig ist.
Unheilvolle Entwicklungen aus Berlin
Allerdings droht auch den vergleichsweise verwöhnten ambulanten Operateuren im Südwesten Ungemach – und zwar durch unheilvolle Entwicklungen aus Berlin, u.a.:
» Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (verpflichtender Aufkauf von Arztsitzen bei „Überversorgung“ von mehr als 140 Prozent, Teilung der politischen Vertretung in den KVen zwischen Haus- und Fachärzten im Verhältnis 50 : 50, immer weitere Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung etc.),
» Das Antikorruptionsgesetz, » Immer neue bürokratische Hürden wie z.B. Mindestlohngesetz, Arbeitsstättenverordnung, Hygieneverordnung oder verschärfte Richtlinien für den Einsatz Schwangerer am Arbeitsplatz.
Infolge dieser Entwicklungen ist bundesweit bei Chirurgen und Orthopäden bereits ein Rückgang der Zahl ambulanter Eingriffe um 15 Prozent zwischen 2010 und 2014 zu verzeichnen. Ferner besteht in den Praxen und Operationszentren ein gewaltiger Investitionsstau – ebenfalls Folge einer unzureichenden Vergütung ambulanter Operationen.
Aus diesem Grund hat der Vorstand des LAO Baden-Württemberg beschlossen, seine Arbeit auszubauen und zu professionalisieren, um den Interessenverband zu neuem Leben zu erwecken. Geplant sind folgende Maßnahmen:
» Neu gestaltete Homepage unter www.ambulant-operieren.org,
» Zeitnahe Information der Mitglieder über die Homepage oder Infobriefe,
» Einrichtung einer Geschäftsstelle beim Vorsitzenden, » Permanente Erreichbarkeit zur zeitnahen ad hoc-Information, » Bei Interesse Organisation von Veranstaltungen,
Treffen und Workshops zu speziellen Alltagsthemen, » Beratung und Hilfe bei Praxisabgabe und -verkauf, » Mitarbeiterschulungen zu relevanten Alltagsthemen.
Alle Mitglieder des LAO Baden-Württemberg sind vor Kurzem angeschrieben und gebeten worden, ihre Kontaktdaten für die Arztsuche via LAO-Homepage zu aktualisieren sowie in ihrem Umfeld neue Mitglieder zu werben. Wir hoffen auf regen Zuspruch, denn: „Für ein Schiff, das seinen Hafen nicht kennt, weht kein Wind günstig.“ (Seneca)

Beanstandungen durch das Gewerbeaufsichtsamt nach Praxisbegehung – was nun ?
Für Nicht-Mitglieder einer Genossenschaft ist die Aufarbeitung der behördlichen Mängellisten mühsam, zeitaufwändig und auch teuer.

Von Gerd-Dieter von Koschitzky

Im Juli 2015 erfolgte die Begehung einer Praxis, veranlasst durch das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg. Die Praxis ist nicht Mitglied der Genossenschaft niedergelas- sener Chirurgen, ambulanten Operateure und Anästhesis- ten in Niedersachsen (GNCON eG). Die Praxis wurde auf die Begehung entsprechend auch nicht durch die Genossen- schaft vorbereitet. Ich erhielt das Protokoll und den Bescheid anonymisiert. Sie liegen mir aber komplett vor.
Protokoll mit langer Mängelliste
An der Begehung nahmen zwei Beauftragte des Gewerbe- aufsichtsamtes teil. Das Protokoll umfasst sechs DIN A4- Seiten und ist überschrieben mit „Durchführung der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBBetreibV) Besichtigung“. Zusammengefasst werden folgende Mängel festgestellt:
» Fehlende Einstufung in Risikogruppen der zu sterilisierenden Medizinprodukte,
» Fehlende Standardanweisung der Aufbereitung (Arbeitsanweisung für das Personal),
» Fehlende Validierung des Autoklaven,
» Fehlender Nachweis Sachkundelehrgang für
das beschäftigte Personal,
» Unzureichende räumliche Auftrennung im
Aufbereitungs-Arbeitsbereich,
» Fehlende Schutzausrüstung für das Personal
bei der Aufbereitung,
» Fehlende QM-Kriterien für die Freigabe der
sterilisierten Instrumente,
» Insuffiziente Lagerungsmöglichkeiten für das Sterilgut,
» Mängel bei der manuellen Aufbereitung der
Instrumente (Lagerung im Desinfektionsmittel,
Standzeiten, Einwirkzeiten, Temperatur),
» Fehlende Aufbereitung des Spülwassers nach
Desinfektion und Trocknungssysteme,
» Insuffiziente und technisch falsche Kennzeichnung des Sterilgutes, eine Kennzeichnung nach QM-Kriterien müsste erfolgen,
» Insuffizienter Schutz der Fenster (Fliegengitter fehlt),
» Ein Blutdruckmessgerät mit abgelaufener Prüfung nach MTK,
» Fehlende Einweisungsprotokolle einiger Geräte, » Fehlerhaftes Gerätebuch, wobei Mitarbeiter
eingewiesen waren, der Arzt aber seine eigene Einweisung nicht nachweisen konnte.
Bescheid über Verstoß gegen MPBetreibV
Aufgrund dieser Mängel erfolgte ein Bescheid an die betroffene Praxis durch das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt, der überschrieben ist mit

Verstoß gegen die Medizinprodukte-Betreiberverordnung
(MPBetreibV); Anhörung gemäß § 55 des Gesetzes
über Ordnungswidrigkeiten (OWiG)


Sehr geehrte …
Ihnen wird zur Last gelegt …
Dieser Verstoß wurde im Rahmen einer Inspektion
Ihrer Praxis am … festgestellt.
Ordnungswidrig handelt, wer fahrlässig in Tateinheit
Medizinprodukte, die bestimmungsgemäß
keimarm oder steril zur Anwendung kommen, ohne
Berücksichtigung
der Angaben des Herstellers mit
geeignetem validierten Verfahren gemäß § 4 Abs. 1
M
PBetreibV aufbereitet …
Beweismittel: Aktenlage, Zeugen: Herr … und Frau …

Durch die fehlende Validierung wurde gegen § 4 Abs. 1
Satz 1 MPBetreibV verstoßen. … die Ahndung dieses
Verstoßes mit einer Geldbuße möglich.
Nach § 55 OWiG wird Ihnen Gelegenheit gegeben, zu
dem vorgetragenen Vorwurf schriftlich oder mündlich
zur Niederschrift Stellung beim Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt
… zu nehmen.
Sie sind aber in jedem Fall, auch wenn Sie die Ordnungswidrigkeit
nicht begangen haben sollten, verpflichtet,
die Fragen zur Person …
Die Verletzung dieser Pflicht ist nach § 11 Abs. 1
OWiG ebenfalls mit einer Geldbuße bedroht (bis zu
1.000,00 Euro).

Der letzte Absatz ist besonders „freundlich“:
„Falls Sie sich nicht innerhalb der o. g. Frist äußern, …
müssen Sie dann damit rechnen, dass ohne weitere
Anhörung oder Vorladung ein Bußgeldbescheid gegen
Sie erlassen wird. Ich empfehle Ihnen, auch nachvollziehbare
Angaben zur Ihren wirtschaftlichen Verhältnissen
zu machen. Diese Aussagen können sich bei der
Bemessung des Bußgelds zu Ihren Gunsten auswirken.
Mit freundlichen Grüssen …“

Aufarbeitung der Mängelliste ist mühsam
Wie geht es jetzt weiter? Natürlich sollte man sich äußern. Eine ganze Reihe von Mängeln kann die Praxis allein beseitigen. Dazu gehören Arbeitsanweisungen für die Aufbereitung der Medizinprodukte. Sie muss ihr Personal zu den Hygienekursen schicken, eine Beurteilung des Gefährdungspotenzials bei den verschiedenen Arbeiten erstellen, QM-Freigabe-Kriterien für das Sterilgut festlegen und Personen benennen, die die Freigabe durchführen dürfen, sobald sie die Fortbildung gemacht haben.
Eine Spülwasseraufbereitungseinrichtung muss beschafft werden. Fliegengitter müssen montiert werden. Bei ande- ren Dingen kann Hilfe in Anspruch genommen werden, wie etwa bei der Einstufung in Risikogruppen der Instrumente, bei der fehlenden Einweisung in die Geräte. Hier ist es ratsam, die jeweiligen Lieferanten zu kontaktieren. Für die Gerätevalidierung muss ein Techniker bestellt werden. Das gleiche gilt für die fehlende MTK bei einem Blutdruckmessgerät und die sicherheitselektronische Prüfung der OP- Leuchten. Für die korrekte Raumaufteilung bei der Aufarbei- tung des Sterilguts ist es hilfreich, Experten hinzuzuziehen.
Vorteile für Genossenschaftsmitglieder
Für Genossenschaftsmitglieder ist dies einfach über die Genossenschaft möglich. Nicht-Genossenschaftsmitglieder müssen sich an Händler oder Gerätefirmen wenden, die dann natürlich häufig neue oder zusätzliche Geräte verkaufen wollen. Mitglieder der Genossenschaften nieder- gelassener Chirurgen und Operateure (GNC bzw. GNCO) haben die Möglichkeit, schon vor einer Begehung die Ist-Situation durch die Genossenschaft prüfen zu lassen. In Niedersachsen und Bremen ist diese Prüfung und Beratung kostenfrei. Auch die Begleitung bei einer Begehung ist durch Experten der Genossenschaft kostenfrei – insbesondere, wenn das Mitglied vorab die Begehungsfähigkeit der Praxis mit unseren Genossenschaftsexperten her- gestellt hat.
Kommt es zu einem Bußgeldbescheid, kann dieser einer Rechtsprüfung unterzogen werden. Auch hier haben die Genossenschaftsmitglieder den Vorteil, dass diese Prüfung durch unseren Justiziar kostenfrei erfolgt.
Bundesgenossenschaft für alle Operateure ?
In der oben geschilderten Begehung wurden kein Krankenhaushygienearzt und kein Arzt als Hygienebeauftragter mit entsprechender Hygienefortbildung gefordert. Dies ist auch erst ab kommendem Jahr zu erwarten. Die Ärztekammer Niedersachsen hat sich für Niedersachsen festgelegt: Ist ein entsprechender Arzt mit den erforderlichen Qualifikationen organisatorisch für die Praxis vorgesehen, ist dies aus- reichend. Dies kann über die Mitgliedschaft in der GNCON erfolgen (siehe www.gncon.de).
Aus diesem Grunde wird die GNCON einen Krankenhaus- hygieniker vorhalten. Auf diesen können alle Mitglieder bei Bedarf zugreifen, dies ist ausreichend und erfüllt nach Aussage der Landesärztekammer Niedersachsen die der- zeitigen Forderungen der Hygieneverordnung.
Damit zeigt sich, dass sich der Beitritt zu einer Genossenschaft niedergelassener Chirurgen und Operateure, wie es sie bundesweit bereits in vier Regionen gibt, definitiv auszahlt. Aktuell sondiert der Berufsverband Niedergelassener Chirurgen (BNC) die Möglichkeiten der Gründung einer Bundesgenossenschaft, der sich auch ambulante Opera- teure anderer Fachrichtungen bzw. deren Berufsverbände anschließen könnten.

„Wir wollen Ihre Unterlagen“ – unbeschränkte Mitwirkungspflichten des Vertragsarztes
Aus der Tätigkeit als Vertragsarzt resultieren zweifellos etliche Pflichten. Doch jedes staatliche Handeln bedarf einer Rechtsgrundlage.

Von Dr. Ralf Großbölting

Mit der Vertragsarztzulassung erwirbt jeder Vertragsarzt Rechte und Pflichten speziell für die Behandlung gesetzlich Versicherter und in Bezug auf die Möglichkeit zur Abrech- nung bzw. den „Anspruch auf Teilhabe an der Gesamtvergütung“. Die Regelungen sollen flächendeckend eine bedarfsgerechte, qualitätsgesicherte und wirtschaftliche Versorgung in der Gesetzlichen Krankenversicherung sicherstellen. Mit der Verwaltungskostenumlage finanzieren die Vertragsärzte ihre jeweilige Kassenärztliche Vereinigung (KV).
Der Vertragsarzt wird zwingend Mitglied der KV, die seine Interessen gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen vertritt. Daraus resultieren diverse Pflichten (Sprechstunden, Behandlung von GKV-Patienten, persönliche Leistungserbringung, Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebots, Fortbildung und Qualitätssicherung, etc.).
Unterlagen zwecks Statistik an die KV ?
Fordert die KV pauschal Unterlagen an – sei es etwa für die eigene „statistische“ Vorbereitung der Gesamtvergütungsverhandlungen oder sei es auf Aufforderung der Kranken- kassen vom Vertragsarzt – so muss dieser der Aufforderung grundsätzlich nicht nachkommen. Jedes staatliche Handeln bedarf einer Rechtsgrundlage. Eine solche ist für allgemeine statistische Erhebungen oder Ähnliches nicht vorhanden.
Etwas anderes gilt beispielsweise im Rahmen von Abrechnungsprüfungen. In aller Regel enthalten bereits die Satzungen der KVen Vorgaben zur Mitwirkungspflicht. So heißt es etwa in Bayern im § 4 Abs. 5 der KV-Satzung: „Jedes Mitglied ist verpflichtet, der KVB alle Auskünfte zu erteilen und die erforderlichen Unterlagen vorzulegen, die zur Nachprüfung der vertragsärztlichen oder sonstigen von der KVB sichergestellten und gewährleisteten Tätigkeit der Ärzte erforderlich sind.“
Der KV obliegt nach § 45 Bundesmantelvertrag Ärzte (BMV-Ä) die Prüfung der von den Vertragsärzten vorge-
legten Abrechnungen ihrer vertragsärztlichen Leistungen hinsichtlich der sachlich-rechnerischen Richtigkeit. Der Vertragsarzt kann Leistungen nur dann abrechnen, wenn sie vollständig erbracht sind. Hierzu hat der Vertragsarzt eine allgemeine Mitwirkungspflicht. Der Vertragsarzt ist nicht nur gemäß § 21 Abs. 2 Zehntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB X) allgemein gehalten, bei der Ermittlung des Sachverhaltes mitzuwirken, insbesondere die ihm bekannten Tatsachen und Beweismittel anzugeben.
Erweiterte Mitwirkungspflicht
Im Rahmen der Abrechnung der vertragsärztlichen Leistungen hat er vielmehr eine entsprechende besondere Mitwirkungspflicht aus der Sache selbst, wie sie immer dann besteht, wenn ein Arzt sich auf ihm günstige Tatsachen berufen will und diese Tatsachen allein ihm bekannt oder nur durch seine Mithilfe aufgeklärt werden können (BSG, Urteil vom 15.11.1995 – Aktenzeichen 6 RKa 58/94, mit weiteren Nachweisen). Diese erweiterte Mitwirkungspflicht ist darauf zurückzuführen, dass der Vergütungsanspruch von der ordnungsgemäßen Erbringung der geltend gemachten Leistungen abhängen kann.
Bei einer Abrechnungs-Einzelfallüberprüfung muss der Vertragsarzt seiner Selbstverwaltung zwar nicht jedwede, aber jedenfalls die abrechnungsrelevanten Unterlagen vorlegen. Welche Unterlagen das sind, ist im Einzelfall anhand der Gebührenordnungsposition des EBM festzumachen. Weigert sich der Vertragsarzt, läuft er Gefahr, dass sein Honorar gekürzt wird.

Update: Perioperative Schmerztherapie bei ambulanten Operationen
Das Leitbild der Institution sollte ihren Umgang mit Schmerzen abbilden. Ein Überblick über gängige Substanzen und ihre Anwendung.

Von Dr. Petra Tietze-Schnur


Schmerz ist eine unangenehme Sinnesempfindung, die mit einem negativen Gefühlserlebnis verbunden ist und mit einer Gewebeschädigung einhergehen kann. Dabei ist das Schmerzerleben individuell sehr vielfältig – es gibt keine verlässlichen Gradmesser dafür, welche Einflussfaktoren welche Schmerzintensität hervorrufen.
Im Zusammenhang mit operativen Eingriffen muss der Patient auch über die geplanten Maßnahmen der perioperativen Schmerztherapie aufgeklärt werden. Denn schmerztherapeutische Maßnahmen erfordern ebenso wie alle anderen ärztlichen Eingriffe die Einwilligung des Patienten. Die Aufklärung umfasst die Information über die Möglichkeiten zur somatischen und psychologischen Beeinflussung von Schmerzen ebenso wie die Anleitung zum Umgang mit diesen Möglichkeiten. Dabei trägt die gezielte Beratung über die realistischen Ziele, Möglichkeiten und Grenzen des Schmerzmanagements zu einer adäquaten und erfolg- reichen perioperativen Schmerztherapie bei.
Wie immer muss der Zeitpunkt der präoperativen Aufklärung angemessen sein. Konkret bedeutet die Aufklärungspflicht, dass Patienten präoperativ (!) schriftliche Informationen zur postoperativen Analgesie erhalten. Hierbei müssen die Einzeldosis, das Einnahmeintervall sowie die zusätzliche Bedarfsmedikation berücksichtigt werden. Außerdem erhalten alle Patienten präoperativ Informationen über den wahrscheinlichen postoperativen Schmerzverlauf.
Positive Informationen stärken Plazebo-Effekt
Es gilt, dass Schmerz bekämpft werden sollte, bevor er entsteht und zu einer unangenehmen Erfahrung werden kann. Positive und realisische Informationen tragen dazu bei, dass der Plazebo-Effekt in der perioperativen Schmerztherapie so weit wie möglich ausgeschöpft wird. Umgekehrt lässt sich durch die Vermeidung negativer oder angsterzeugen- der Informationen der Nozebo-Effekt so weit wie möglich reduzieren. Wir geben dabei vorab den Hinweis, dass wir gern so viele Schmerzmittel wie nötig verabreichen. Ebenso erklären wir dem Patienten aber auch, dass das Ziel der perioperativen Schmerztherapie nicht die Schmerzfreiheit, sondern die Erträglichkeit von Schmerzen ist. Die eigentliche Analgesie beginnt dann bereits vor der Operation, und zwar bei Erwachsenen mit
» Arcoxia® oder Ibuprofen® bei Eingriffen in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie,
» Arcoxia® und Oxycodon® 10 mg bei Laparoskopien, Hernien-Operationen, Arthroskopien, Frakturversorgungen und Hysterektomien,
» Bei Aufregung geben wir zusätzlich Clonidin® intravenös (50 μg gegebenenfalls mehr).
Wir geben präoperativ Analgetika zur postoperativen Schmerztherapie, obwohl Analgetika dafür nicht zugelassen sind, es handelt sich also um einen Off-Label-Use. Bei Kindern verabreichen wir:
» Clonidin®-Saft 5 μg pro Kilogramm Körpergewicht per os etwa 45 Minuten präoperativ,
» Nurofen®-Saft gewichtsadaptiert per os etwa 45 Minuten präoperativ.
Lokalanästhesie vor Regionalanästhesie
Regionalanästhesien sind in unserer Einrichtung eher selten. Sie erfordern ein klares Analgesie-Konzept bei Nachlassen der Wirkung. Den größeren Stellenwert haben Lokalanästhesien, die einfach durchführbar sind und von allen Operateuren verwendet werden. Es ist darauf zu achten, dass sie möglichst bereits präinzisional eingesetzt werden. Geeignete Adjuvantien sind Dexamethason®, Clonidin® und Ketanest® S. Das Standard-Narkosemanagement in unserer Tagesklinik ist in folgender Aufzählung dargestellt.
Tagesklinik-Standardnarkose
» TIVA, kein Lachgas
» 10 mg Ketanest® S, Wiederholung bei längeren
OP-Verläufen stündlich
» 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht Propofol
zur Induktion; 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht
und Stunde im Perfusor als Erhaltungsdosis
» bis 3 μg pro Kilogramm Körpergewicht Utiva®/
Sufenta® zur Induktion; 0,2 bis 0,4 μg pro Kilogramm und Minute im Perfusor als Erhaltungsdosis; 10 bis 20 μg Sufenta® pro Stunde im Perfusor als Erhaltunsgdosis
» Supplements: Dexamethason® 4 bis 8 mg, Clonidin® 50 bis 100 μg
Substanzen zur perioperativen Analgesie
Besonderes Augenmerk müssen Anästhesisten auf postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV) richten. Zu OP-Beginn verabreichtes Dexamethason® beugt PONV vor und hat einen zusätzlichen antiphlogistisch-analge- tischen Effekt.
Der postoperative Bedarf an Opiaten lässt sich durch die Verabreichung der Alpha-2-Antagonisten clonidin® und Dexmedetomidin® erzielen. Sie reduzieren auch das post- operative Shivering und mindern das PONV-Risiko.
Der postoperative Schmerz lässt sich bis zum zweiten postoperativen Tag signifikant mit Ketanest® S reduzieren. Die Substanz wirkt als Antagonist am Glutamat-NMDA-Rezeptor- komplex ebenso wie an Opioid- und GABA-Rezeptoren.
Die empfohlene Dosierung liegt bei 0,15 mg pro Kilogramm Körpergewicht intravenös.
Die sogenannte „Arme-Leute-Epidural-Anästhesie“ [Hollmann et al., 2004] mit lidocain® inhibiert die NMDA- Rezeptoren, reduziert den postoperativen Schmerz bis zu 72 Stunden nach der intravenösen Gabe und verbessert die Qualität der Analgesie. Man verwendet 1,5 mg pro Kilogramm Körpergewicht (bezogen auf Idealgewicht) zur
Einleitung und dann 2 mg pro Kilogramm Körpergewicht bis 30 Minuten vor der Entlassung aus dem Aufwachraum. Als Kontraindikationen gelten Allergien gegen Lokalanästhetika, eine reduzierte Leberfunktion sowie Erregungsleitungsstörungen. Da es sich um einen Off-Label-Use handelt, ist der Einsatz von Lidocain zur postoperativen Analgesie aufklärungspflichtig.
Management postoperative Analgesie
Die postoperative Analgesie besteht aus einer Kombination von Nicht-Opioiden, Opioiden und Co-Analgetika. Zu den Nicht-Opioiden zählen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Coxibe und nichtsaure Antipyretika. Zu den Co- Analgetika zählen Clonidin®, Dexamethason®, Ketanest® und Lidocain®.Welchen Stellenwert die postoperative Analgesie hat, zeigt sich in der Tatsache, dass neben Übelkeit und Erbrechen nach der Entlassung (Post Discharge Nausea and Vomiting, PDNV) nicht beherrschbarer Schmerz der häufigste Grund für die postoperative stationäre Aufnahme nach der Entlassung ist.
Patienten ohne Etoricoxib (Arcoxia®) und Oxycodon erhalten die erste Gabe eines Nicht-Opioids bereits intraoperativ. Auf diese Weise ist nach dem Abklingen der Narkose ein Spiegel vorhanden. Dabei sind Kurzinfusionen (bis 15 Minuten) vorzuziehen.
Substanzen zur postoperativen Analgesie
NSAr wie Diclofenac®, Ibuprofen®, Dexketoprofen (Sympal®) und Etoricoxib (Arcoxia®) sind peripher wirkende Analgetika. Die Standarddosis für Diclofenac liegt bei 75 mg retard, die Maximaldosis bei 150 mg pro Tag (bei Kindern maximal 1 mg pro Kilogramm Körpergewicht); Bei Ibuprofen® werden 600 bis 800 mg maximal alle 6 bis 8 Stunden, maximal 2400 mg pro Tag verabreicht (bei Kindern 10 bis 15 mg pro Kilogramm Körpergewicht maximal alle 6 bis 8 Stunden; Arcoxia® darf nur Patienten ab 16 Jahren verabreicht werden, und zwar in einer Dosierung von 90 mg einmal täglich.
Bei den nichtsauren Analgetika stehen Paracetamol (Perfalgan®) und Metamizol (Novalgin®) zur Verfügung. Perfalgan kann perioperativ mit NSAR kombiniert werden und reduziert den Opioidbedarf um 20 bis 30 Prozent. Die Applikationszeit beträgt maximal 15 Minuten. Bei Noval- gin ist zu beachten, dass es wegen möglicher Kreislaufdepression nicht als Bolus gespritzt werden darf. Paracetamol wird in einer Tageshöchstdosis von 4 g (bei Kindern 15 mg pro Kilogramm Körpergewicht) intravenös verab- reicht. Metamizol wird intravenös in einer Tageshöchstdosis von 1 bis 2 g (bei Kindern 15 mg pro Kilogramm Körper- gewicht) als Kurzinfusion alle sechs Stunden gegeben.
Bei starken postoperativen Schmerzen sollte ein Opioid in Kombination mit einem Nicht-Opioid zum Einsatz kommen. Hier stehen Piritramid (Dipidolor®) und Oxycodon® zur Verfügung. Piritramid wird in einer Dosis von 0,1 mg pro Kilogramm Körpergewicht bei starken Schmerzen eingesetzt, wobei eine Entlassung frühestens 30 Minuten nach der letzten Gabe möglich ist. Oxycodon steht als 10-mg- Retardtablette zur Verfügung.
Kombinations- oder Einzelgaben von z.B. Paracetamol, NSAID, COX-II-Hemmern, Gabapentin® oder Pergabalin® reduzieren den Opiatverbrauch. Definitive Aussagen über die ideale Kombination verschiedener Nicht-Opioide sind zum heutigen Zeitpunkt allerdings nicht möglich.
Physikalische Maßnahmen
Während der akuten postoperativen Schwellungsphase sowie nach Traumen und Blutungen sollte Kälte in Form von kalten Packungen (z.B. Brucheis, Kunsteis oder feuchte Tücher) angewandt werden. Zur postoperativen Schmerzlinderung ist die Anwendung von Wärme nicht empfehlens- wert, wobei das Empfinden des Patienten unbedingt zu berücksichtigen ist.
Zum physikalischen Schmerzmanagement kann aber auch der Operateur beitragen: So entstehen bei gewebescho- nender Operationstechnik geringere postoperative Schmerzen. Ebenso reduziert ein schonender, spannungsfreier Hautverschluss postoperative Schmerzen.
Die Schmerzintensität beim Erwachsenen sollte mithilfe einer einfachen eindimensionalen Schmerzintensitätsskala (Visuelle Analog Skala, VAS) regelmäßig erfasst werden. Da es sich bei Schmerzen um ein äußerst individuelles Emp- finden handelt, muss die Schmerzeinschätzung durch den Patienten selbst erfolgen und nicht etwa durch das Pflege- oder Assistenzpersonal. Dies gilt auch für Kinder, wobei hier kindgerecht bebilderte visuelle Analogskalen zum Einsatz kommen sollten.
Weitere Besonderheiten bei Kindern
Bei Kindern sollte man im Hinterkopf behalten, dass gesteigerte Zuwendung und Ablenkung positiven Einfluss auf die Intensität postoperativer Schmerzen haben. Voraussetzung für jede suffiziente perioperative Schmerztherapie sind Zuwendung, die Vermittlung von Geborgenheit und das Stillen von Hunger und Durst. Aus diesem Grund sollte die präoperative und postoperative Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz vor allem bei Kindern auf ein Minimum reduziert werden.
Als gesichert gilt mittlerweile, dass die Anwendung von lokalanästhesierenden Salbe vor der Venenpunktion bei Neugeborenen zu weniger schmerzassoziierten Verhaltensweisen führt [Taddio et al.,1998]. Bei Kleinkindern und älteren Kindern führt eine lokalanästhesierende Salbe zu signifikant geringeren Schmerzen im Vergleich zur Kontrollgruppe [Cooper et al.,1987].
In der perioperativen Schmerztherapie bei Kindern steht der Anästhesist allerdings vor dem Dilemma, dass der bestimmungsgemäße Gebrauch vieler Analgetika die Anwendung im frühen Kindesalter ausschließt. Allerdings darf die fehlende Zulassung einer Substanz für den Einsatz im Kindesalter kein Grund sein, Kindern bei fehlenden Alternativen Analgetika vorzuenthalten. Ihre Anwendung ist zulässig im Rahmen des individuellen Therapieversuchs, in dem der Arzt seine unbestrittene Therapiefreiheit nutzt [Carstensen,1989]. Der Arzt hat nicht nur die Freiheit, sondern er ist dazu gehalten, diese Optionen zu nutzen, weil er sich ansonsten der unterlassenen Hilfeleistung
und der Körperverletzung nach § 223 und § 230 des Strafgesetzbuches schuldig machen kann [Reinhold und Usselmann,1999].

Literatur
1. QM-Handbuch Tagesklinik am Meer, Bremerhaven
2. S3-Leitlinie: Behandlung akuter perioperativer und post- traumatischer Schmerzen (AWMF-Register Nr. 041/001), Stand: 21.05.2007, inkl. Änderungen vom 20. 04. 2009
3. Picardi S et al. Adjuvantien in der modernen Anästhesie – Lidocain. In: Anaesthesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2015; 50: 322-327
4. T. Standl und C. Lussi (Hg.): Ambulantes Operieren: Rahmenbedingungen, Organisation, Patientenversorgung, 2012

DGCH-Kongress: Stellenwert von Hygieneanforderungen beim Ambulanten Operieren
Die Inhalte einer QM-Zertifizierung stimmen weitgehend auch mit den Anforderungen bei behördlichen Begehungen überein.

Von Dr. Christian Deindl

Gemeinsam mit Dr. Johannes Jongen aus Kiel durfte ich am 1. Mai 2015 beim 132. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie die Sitzung der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Ambulantes Operieren (CAAO) mit dem Themen- schwerpunkt „Neues Infektionsschutzgesetz und aktuelle Hygieneanforderungen beim ambulanten Operieren in Praxis und Klinik“ leiten. Dr. Verena Hoch vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene (BZH) in Freiburg berichtete über aktuelle Gesetze, Richtlinien und Empfehlungen für Hygieneanforderungen in der Chirurgie. Maßgeblich ist hier die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahre 2011, dem das Bundesseuchengesetz aus dem Jahr 1961 und das Infektionsschutzgesetz von 2001 voraus- gingen. Daneben gelten die jeweiligen Landeshygienever- ordnungen sowie die technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250).
Infektionen und Resistenzen dokumentieren
An Bedeutung gewinnen das Robert Koch-Institut (RKI) und die darin angesiedelte Kommission für Antiinfektiva, Resistenz und Therapie (ART). Für Ärzte wurde die Aufzeichnung nosokomialer Infektionen zur Pflicht, ebenso die Erfassung von (Multi-)Resistenzen sowie des Antibiotikaverbrauches und dessen Bewertung unter Berücksichtigung der lokalen Resistenzsituation. Wichtig in diesem Zusammenhang sind die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am RKI.
Die konkrete Umsetzung von Hygienegesetzen ist in den Medizinischen Hygieneverordnungen (MedHygV) der jeweiligen Bundesländer geregelt. Diese gelten auch für AOP- Einrichtungen. Dabei gelten klar definierte Pflichten, die dem Stand der medizinischen Wissenschaft zu entsprechen haben. Hierzu zählt auch die umfangreiche Ausstattung mit entsprechendem Fachpersonal. Die TRBA 250 wiederum fasst unmissverständlich die Gegenstände zusammen, die bei Tätigkeiten mit erforderlicher Händedesinfektion an Händen und Unterarmen nicht getragen werden dürfen:
» Schmuckstücke, alle Arten von Ringen, Armbanduhren,
» Piercings, künstliche Fingernägel und
» „Freundschaftsbänder“.
Fingernägel sind kurz und rund geschnitten zu tragen und sollten die Fingerkuppe nicht überragen. Das zusätzliche Reinigen mit Bürsten ist nicht mehr erforderlich oder sogar kontraproduktiv im Sinne einer effektiven Desinfektion. Darüber hinaus nannte Hoch weitere wichtige Punkte in der OP-Hygiene wie bei der präoperativen Vorbereitung Patienten:

» Begleitinfektionen sind vor elektiven Eingriffen zu therapieren und etwa nicht parallel oder gar erst nachher.
» Es wird eine Tabakrauchkarenz von mindestens 30 Tagen präoperativ gefordert.
» Die präoperative Verweildauer sollte so kurz wie möglich gehalten werden.
» Notwendige Blutprodukte sind nicht zurückzuhalten, wobei zu beachten ist, dass Transfusionen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einhergehen.
» Auf die präoperative Darmentleerung muss geachtet werden.
» Bei Risikopatienten ist vor dem Eingriff ein MRSAScreening notwendig. Mit MRSA kolonisierte Patienten sollen einer Dekolonisierung unterzogen werden.
» Eine routinemäßige präoperative Rasur des OP-Feldes soll nicht erfolgen. Haare, die den Eingriff behindern,
können mit einem Klipper gekürzt werden.

Prozedere bei Antibiotikaprophylaxe
Eine notwendige intravenöse perioperative Antibiotikapro- phylaxe sollte möglichst 30 Minuten vor dem Hautschnitt gegeben werden, um einen optimalen Gewebespiegel zu erreichen. Dementsprechend müssen langsam zu infundierende Substanzen unter Berücksichtigung der Infusionsgeschwindigkeit verabreicht werden. Organisatorische Abläufe sind entsprechend zu gestalten. Je nach Halbwertszeit wird eine Wiederholungsdosis des zu verwendeten Medikaments nach zwei bis vier Stunden bei längerer OP-Zeit verabreicht.
Aktuelle Studien zeigen, dass bei Patienten mit einem BMI von über 35 mit den gebräuchlichen Cephalosporin- Dosierungen nicht notwendigerweise ausreichende Wirkspiegel im operativen Zielgewebe erreicht werden können. Wegen der therapeutischen Breite der Cephalosporine ist hier daher eine Erhöhung der initialen Dosis zu erwägen. Die zeitgerechte Gabe der perioperativen Antibiotikapro- phylaxe ist als Qualitätsindikator zu verstehen und sollte in die WHO-Checkliste zur OP-Sicherheit und in die Abfrageprozedur beim Team-time-out mit integriert werden.
Einfache chirurgische Händedesinfektion
Die chirurgische Händedesinfektion ist einfach: Hände sollen nur noch zu Beginn des Arbeitstages oder bei großer Kontamination gewaschen (nicht gebürstet!) werden Nach der chirurgischen Händedesinfektion mit alkoholischen Mitteln nach Angaben der jeweiligen Hersteller müssen die Hände vor dem Überziehen der sterilen OP-Handschuhe eine Minute lang an der Luft trocknen. Große Bedeutung kommt dem Verhalten des gesamten OP-Personals zu. Zwar sind nicht alle Regeln auf diesem Gebiet evidenzbasiert, tragen aber zu einem Klima besonderer Sorgfalt und Sauberkeit bei:
» Farbig markierte Bereichskleidung muss sauber gehalten werden und soll nicht außerhalb des OP- Traktes getragen werden.
» Der Kopfschutz sollte Haare und Bart bedecken.
» Mund- Nasenschutz ist im OP-Saal während eines Eingriffes von allen Personen zu tragen, um den Patienten vor Tröpfcheninfektion und das Personal vor Spritzern zu schützen.
» Türen des OP-Saals bleiben während Operationen konsequent geschlossen.
» Die Zahl der im OP anwesenden Personen wird auf das notwendige Minimum beschränkt.
» Während des Eingriffs ist möglichst wenig zu sprechen.
» Nach sichtbarer Kontamination von Oberflächen sind diese per Wischdesinfektion vor der nächsten Operation
zu reinigen.
» Die Wischdesinfektion des OP-Fußbodens erfolgt nach dem letzten Eingriff des Tagesprogramms.
» Eine spezielle Reinigung und Desinfektion des OP-Saales nach Operationen der Kontaminationsklasse „kontaminiert“ ist nicht erforderlich, da immer ein gleich hoher Anspruch auf aseptische Verhältnisse besteht.
» Nach septischen Eingriffen oder bei multiresistenten Erregern bedarf es ebenfalls keiner speziellen OP-Ruhezeit.
AOP aus Sicht des Gesundheitsamtes
Viele ambulante Operateure hegen – nicht immer ganz unbe- rechtigte – Vorbehalte gegenüber den Gesundheitsbehörden, die bei Praxisbegehungen unter anderem die Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften prüfen. Umso wichtiger war es, dass mit Dr. Martin Küfer, Leitender Medizinischer Direktor des öffentlichen Gesundheitsdienstes am Landratsamt Neu-Ulm, ein Vertreter der für ambulante OP-Einrichtungen zuständigen Gesundheitsbehörde anwesend war und über Hygiene beim Ambulanten Operieren und seine Erfahrungen als Vertreter eines Gesundheitsamtes sprach.
In Bayern wurde im Januar 2014 vom zuständigen Staats- ministerium für Gesundheit und Pflege die Begehung bei 350 ambulanten OP-Einrichtungen durch Gesundheitsämter zusammen mit Gewerbeaufsichtsämtern angeordnet. Grundlage der Prüfung waren fünf Checklisten, deren Ergebnisse an die jeweilige Bezirksregierung und von dort an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicher- heit weitergeleitet werden. Bei der Definition des Begriffes „Einrichtung für Ambulantes Operieren“ orientierte sich Küfer an der KRINKO-Liste von 1997, die zwischen „OP“
und „Einrichtung“ differenziert. Weitere Voraussetzung war die Kategorisierung operativer Tätigkeiten in Zusammenarbeit mit Fachexperten, dem Landesverband Ambulantes Operieren (LAOB), weiteren Berufsverbänden sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB).
Als Ergebnis kam folgende Unterscheidung und Kategorisierung – je nach Risikopotenzial in der Reihenfolge von hoch nach niedrig – zustande. Sie bezieht sich allerdings explizit ausschließlich auf die Anforderungen an das Hygienefachpersonal, nicht etwa auf baulich-funktionelle, apparative
oder gerätetechnische Anforderungen.
» Kategorie A: Operation, z. B. Arthroskopie, Katarakt-OP, » Kategorie B: Operativer Eingriff, z.B. Resektion einer
Nasenscheidewand (neu vom Eingriff zur Operation
hochgestuft wurden Operationen der Augenhöhle), » Kategorie c: Invasiver Eingriff in der Arztpraxis, z.B.
Koloskopie, dermale Exzision.
Entsprechend differenzieren sich die Anforderungen an die Betreuung des Patienten durch Hygienefachpersonal gemäß der MedHygV in Bayern (Stand 31. März 2014). Operationen der Kategorie A erfordern demnach:
» Eine externe Beratung durch einen Krankenhaus- hygieniker und eine Hygienefachkraft,
» Einen hygienebeauftragten Arzt und » Eine(n) Hygienebeauftragte(n) in der Pflege.
Operative Eingriffe der Kategorie B erfordern lediglich die externe Beratung durch einen Krankenhaushygieniker und eine Hygienefachkraft. Für Eingriffe der Kategorie C sind keine der oben genannten Hygienefachkräfte erforderlich. Parallel dazu wurde in den Mitteilungen der KVB eine Übersicht über diese spezielle Anforderung der MedHygV publiziert. Damit wurden alle Vertragsärzte aufgefordert, entsprechend dieser Kategorisierung eine Selbsteinschät- zung ihrer operativen Tätigkeit vorzunehmen und dem Gesundheitsamt zu melden.
Beim Bau eines OP oder einer ambulanten OP-Einrichtung gilt es, besondere Hygieneanforderungen zu beachten, die den Empfehlungen der KRINKO aus dem Jahr 2000 entsprechen. Sofern in einzelnen Einrichtungen Verbesserungsbedarf besteht, erfolgt die Stellungnahme durch einen Krankenhaushygieniker. Bei der Bewertung von Bauvorha- ben sind zwei Punkte zu beachten: Nach § 2 a der MedHygV muss der Krankenhaushygieniker ein Bauvorhaben bewerten. Jedes Bauvorhaben bezüglich einer späteren Nutzung für ambulante Operationen muss dem Gesundheitsamt vorgelegt werden. Darunter fallen auch Umbaumaßnahmen.
Welchen Stellenwert die Hygiene bei externen Audits und Zertifizierungen ambulanter OP-Einrichtungen hat, erläuterte als dritter Referent Mario Krauß, der unter anderem
für die DEKRA als Auditor tätig ist. Audits und Auditierungsverfahren dienen dazu, die Einhaltung von gesetzlichen, behördlichen und normativen Anforderungen in der jeweiligen Einrichtung zu überprüfen. Beim Ambulanten Operieren geschieht dies mit den folgenden Schwerpunkten:
» Infektionsschutzgesetz, Landeshygieneverordnung, RKI- Empfehlungen (Medizinprodukte, Flächen, Hände usw.),
» Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über grundsätzliche Anforderungen an ein einrichtungsinternes QM-System (hier speziell § 4 vom 17. April 2014 zum Risikomanagement, siehe Kasten Seite 17),
» Inhalte der DIN EN ISO 9001: 2008 (Ermittlung relevanter gesetzlicher und behördlicher Anforderungen, Prozesse festlegen, Ressourcen bereitstellen, Prozesse über- wachen (z. B. Hygienepläne, Schulungen usw.) Lenkung ausgegliederter Prozesse (z. B. externe Hygienefachkraft, externer Klinikhygieniker, Fremdaufbereitung),
» Inhalte der DIN EN 15224: 2012 und » Ab Oktober 2015 auch die Inhalte der DIN EN ISO 9001:
2015, in denen ebenfalls stark auf das Thema „Risikomanagement“ fokussiert wird, um eine Patientengefähr- dung zu vermeiden.
haupt- und nebenabweichungen
Außerdem gewinnt bei Begehungen das Thema „Wissensmanagement“ in der Einrichtung zunehmend an Bedeutung. Hierzu zählen Krauß zufolge etwa die Bereitstellung des vorhandenen Hygiene-Know-hows für das Team. Demzufolge gewinnt auch das Thema Hygiene in den externen Audits weiter an Bedeutung. Dies hat in der Realität zur Folge, dass bei Nichtkonformität und der Feststellung von Hauptabweichungen ein kritisches Systemdefizit durch die Behödenmitarbeiter festzustellen ist. Ein Systemdefizit wiederum bedeutet, dass eine Patientengefährdung nicht auszuschließen ist. Darunter fallen folgende Punkte:
» Nichteinhalten des Personalschleusenkonzeptes,
» Überlagerung von Parenteralia,
» Nichteinhalten von Einwirkzeiten,
» Unsachgemäße Durchführung von Hände- und/oder
Flächendesinfektion und
» Eine unsachgemäße Arbeitsumgebung.
Als Nebenabweichungen gelten Schwachstellen ohne unmittelbare Auswirkungen auf den Patienten, wie etwa:
» Unvollständiger/fehlerhafter Hygieneplan,
» Fehlende Validierungen von Aufbereitungsprozessen,
» Maßnahmen aus Hygienebegehungen nicht umgesetzt,
» Tragen von Ringen und Nagelschmuck beim Audit, » Weniger Hygienefachpersonal als erforderlich.
Bei Hauptabweichungen im Rahmen einer Erst- oder Rezertifizierungsauditierung wird das Zertifikat nicht erteilt, allerdings besteht eine Nachfrist von 90 Tagen. Bei Nebenabweichungen wird bei Erstzertifizierung das Zertifikat ebenfalls nicht erteilt und eine Nachfrist von bis zu einem Jahr gewährt.
Ein wichtiger und praktischer Hinweis von Krauß bestand in der Empfehlung, interne Audits und Hygienebegehungen zu synchronisieren und somit einen sogenannten „Audit-Tourismus“ zu vermeiden. Ferner empfahl er, die vertraglichen Vereinbarungen mit externen Dienstleistern wie Wäschereien oder externen Aufbereitern von Medizinprodukten anzufor- dern und ein Recall-System zu implementieren, damit die erforderlichen regelmäßigen Hygieneschulungen nicht in Vergessenheit geraten und hier keine Lücken entstehen.
Fazit: die politik ist der größte risikofaktor
Aus meiner eigenen Erfahrung mit meiner seit zehn Jahren zertifizierten ambulanten OP-Praxis kann ich bestätigen, dass es wichtige Schnittmengen zwischen den Inhalten der Zertifizierung und den Anforderungen des Gesundheits- und Gewerbeaufsichtsamtes gibt. Wer als ambulanter Operateur oder Anästhesist bereits seit Längerem zertifiziert ist und/oder auch bereits eine Begehung nach dem oben dargestellten Muster erfolgreich absolviert hat, der weiß, wie sehr ein gut funktionierendes, gelebtes QM und Qualitätssicherung bei der optimalen Gestaltung der Praxisabläufe im Sinne einer bestmöglichen Patientensicherheit und- zufriedenheit helfen. Hier sind ambulante Operateure und Anäs- thesisten seit Jahren in enorme Vorleistungen gegangen, ohne je eine entsprechende fachliche oder ökonomische Würdigung durch die Organe der Selbstverwaltung, der Kostenträger oder der verantwortlichen Politiker zu erfahren.
Wenn der G-BA erst im April 2014 zu der Meinung gelangt, mit einer eigenen Richtlinie die Qualität des Ambulanten Operierens neu definieren zu müssen, dann beweist dies einmal mehr die Existenz eines Paralleluniversums der Ignoranz in unserem Gesundheitssystem, welches von patientenfernen und hochdotierten Bürokraten bevölkert wird. Wer sich nur halbwegs mit den Kriterien der internationalen QM-Standards auskennt, der hat die Inhalte des zitierten § 4 für ein einrichtungsinternes QM längst verinnerlicht.
Wenn der G-BA von Erkenntnissen aus Patientenbefragungen spricht, dann negiert er die u.a. 2014 auf der CAAO- Sitzung veröffentlichten Ergebnisse aus zehn Jahre Erfahrung mit dem AQS1- Patientensicherheitsfragebogen und beleidigt die Urheber dieser innovativen QS-Instrumente. Diese sind Kolleginnen und Kollegen, die auf eigene Kosten diesen Fragebogen nutzen und mit einer Patientenzufriedenheit von 98 Prozent die hohe Qualität beim Ambulanten Operieren in Deutschland unterstreichen.
Die politischen Auftraggeber des G-BA aber negieren vehement die Existenz von Qualitätskosten, mit denen Ambulantes Operieren gerade in Hinblick auf den Kompetenzschwerpunkt Hygiene verbunden ist. Bisher beruht die medizinische und gesellschaftliche Erfolgsgeschichte des Ambulanten Operierens vorwiegend auf innerärztlicher Einsicht, jetzt kommen gesetzliche Pflichten hinzu. Wer solche erlässt, steht ebenfalls in der juristischen Pflicht, die dazu notwendigen Ressourcen bei entsprechendem Qualitätsnachweis (Begehung/Zertifizierung) zur Verfügung zu stellen. Wer sich strikt weigert und weiterhin staatlicher „Schnäppchen“-Medizin das Wort redet, gleichzeitig aber Hygiene und Infektionsschutz medienwirksam predigt, der verhält sich wiederholt nicht-konform, weicht vom aktu- ellen medizinischen Wissensstand deutlich ab und ist damit bereits ein kritisches Systemdefizit mit Gefahrenpotenzial für das Patienten- und somit Wählerwohl.

QM-Richtlinie des G-BA: Anforderungen an ein einrichtungsinternes QM
§ 4: Als instrumente eines einrichtungsinternen Qualitäts- managements sind insbesondere zu nutzen: [...]
„Risiko- und Fehlermanagement: Festlegungen zum Umgang mit Risiken und sicherheitsrelevanten Ereignissen (das heißt diese zu erkennen, zu bewerten, zu bewältigen, zu überwa- chen) und Implementierung von Verbesserungsprozessen. Dafür können z.B. Erkenntnisse aus Patientenbefragungen, Team-Besprechungen, Beschwerden, sicherheitsrelevanten Ereignissen (z.B. Beinahe-Schäden und Fehler) sowie die Teilnahme an einem Fehlermeldesystem genutzt wird.“
Quelle: www.tinyurl.com/gBA-risikomanagement

Sie werden gesucht! Das neue goDoc- Qualitätssiegel – Sterne für Ihre Praxis !
Die Homepage einer Facharztpraxis hat täglich 50 bis 300 Besucher und lässt sich mit einem goDoc-Qualitätssiegel aufwerten.

Von Dr. Klaus Bäcker

Insbesondere junge Menschen, Akademiker und Besserverdiener sind online unterwegs und vertrauen bei ihrer Arztsuche auf Qualitätskriterien, die sich im Internet etabliert haben. Unabhängige Qualitätssiegel, die auf Patientenbefragungen basieren, sowie authentische „Kundenstimmen“ spielen dabei eine zentrale Rolle. So zeigt eine aktuelle Studie, dass 89 Prozent der Internetnutzer Online- Empfehlungen anderer Patienten als hilfreich bei der Suche nach einem geeigneten Arzt empfinden (Quelle: jameda Patientenstudie 2014).

Dialog in Ihren Händen
Authentische Meinungen anderer Patienten genießen großes Vertrauen und vermitteln anderen Patienten Sicherheit bei der Entscheidung für eine Arztpraxis. Der richtige Umgang mit Patientenbewertungen ist dabei wichtig. Sowohl positive als auch kritische Stimmen mit Verbesserungswünschen sind für eine glaubwürdige Außendarstellung Ihrer Praxis im Internet hilfreich. Ein freundlicher Kommentar, der einen Verbesserungsvorschlag eines Patienten aufgreift, demonstriert die Wertschätzung der Patientenmeinung. Der transparente Dialog ist für die vielen anderen Besucher Ihrer Homepage wertvoll. Nach unserer Erfahrung besuchen 50 bis 300 Personen täglich die Homepage einer Facharztpraxis.
Werden Sie aktiv für Ihren Ruf im Internet
Warten Sie nicht, bis diese Besucher Sie auf den gängigen Online-Plattformen bewerten, sondern befragen Sie Ihre Patienten selbst! Dann sammeln Sie nicht nur aktiv die vielen positiven Stimmen ein, sondern bieten auch unzufriedenen Patienten eine Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge zu äußern. Damit behalten Sie selbst die Kontrolle über den Online-Ruf Ihrer Praxis. Je früher Sie beginnen, Ihre Patienten aktiv zu Ihrer Zufriedenheit zu befragen, desto deutlicher können Sie sich in Zukunft von Ihren Mitbewerbern differenzieren. Zu wissen, was Ihre Patienten wirklich denken, ist zu wertvoll um es aus der Hand zu geben.
Weitere informationen unter:
http://www.goDoc.co

Gesundheitspolitik: Was bringt das neue GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) ?
Ein Überblick über eine Reihe verschiedener Einzelmaßnahmen, die mit dem GKV-VSG im Juli 2015 verabschiedet wurden.

Von Bernd Helmsauer

Das GKV-VSG soll zum Beispiel die Sicherstellung der flächendeckenden und gut erreichbaren ambulanten medizinischen Versorgung regeln. Die Versorgungseffizienz, -effektivität und -qualität soll verbessert werden. Geplant ist auch, Terminservicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zur Verkürzung von Wartezeiten auf einen Facharzttermin einzurichten. Diese vermitteln dann unter Umständen auch einen Termin bei weiter entfernten Ärzten oder möglicherweise auch im Krankenhaus.
Über- und Unterversorgung abbauen
Einerseits dürfen Praxen von Ärzten in rechnerisch überversorgten Regionen unter gewissen Voraussetzungen von den KVen eingezogen oder aufgekauft werden, andererseits sollen unterversorgte Gebiete gestärkt werden. Bei Ablehnung eines Nachbesetzungsantrages soll der betreffende Arzt eine Entschädigung erhalten. Gleichzeitig dürfen Gemeinden Medizinische Versorgungszentren gründen.
Weiter wurde das Recht der Patienten auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung gesetzlich verankert. Der Erstbehandler muss den Patienten über dieses Recht auf- klären – und sollte dies auch tunlichst in der Patientenakte dokumentieren. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wird festlegen, für welche planbaren Eingriffe ein Anspruch auf eine Zweitmeinung besteht und über welche Expertise der Leistungserbringer verfügen muss.
Innovationsfonds neue Versorgungsformen
Neue Versorgungsformen und Versorgungsforschungs- projekte sollen im Rahmen der Auflage eines Innovations- fonds durch die Bundesregierung gefördert werden. Dafür sollen von 2016 bis 2019 jährlich 300 Millionen Euro bereitstehen. Ein beim G-BA einzurichtender Innovationsausschuss wird die Kriterien festlegen, Interessenbekundungsverfahren durchführen und über die eingegangenen Anträge auf Förderung entscheiden. 75 Prozent des Fonds sollen in die Förderung neuer Versorgungsformen fließen,
25 Prozent des Fonds sollen zur Förderung von Versorgungsforschungsprojekten eingesetzt werden, welche die Versorgungseffizienz verbessern sollen.
Auch eine Förderung der Weiterbildung wurde festgelegt. Es sollte ein Anreiz geschaffen werden, Weiterbildungsassistenten zu beschäftigen. Die bisher bereits mögliche Delegation an nichtärztliches Personal kann nun auch abgerechnet werden. Allerdings ist für die Ausbildung der Arzt zuständig und eventuelle Fehler gehen zu Lasten des ausbildenden Arztes.
Neuerungen beim Entlassungsmanagement
Auch für Krankenhäuser gibt es im Rahmen des Entlassungsmanagements eine Neuerung. Diese können künftig im Rahmen ihres Entlassungsmanagements für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen Arznei-, Verband-, Heil- und Hilfsmittel, Krankenhausbehandlung, häusliche Krankenpflege und Soziotherapie verordnen und die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen. Mit Interesse wird nun die Umsetzung des Gesetzes beobachtet, da es bereits vor der Verabschiedung stark in der Kritik stand.
Sollten Sie noch Fragen zu diesem Thema oder auch zu Versicherungsthemen haben, so nehmen Sie bitte Kontakt unter der speziell für BAO-Mitglieder reservierten Telefon- Hotline 0911 9292-185 auf; dies gilt natürlich auch, wenn Sie Fragen zu anderen Themen haben. Alternativ dazu können Sie auch unter der Fax-Nummer 0911 9292-191 weitere Informationen anfordern.

BAO Depesche, Ausgabe 36, Juli 2015

BAO Depesche
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Chirurgen Magazin + ...

Heft 83, Ausgabe 1 – Februar 2017
Praxismanagement: Wie schütze ich meine Praxis für den Notfall vor finanziellem Chaos und Insolvenz?
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autsch!

autsch! Wenn Politik weh tut Politik drängt ambulante OP-Praxen ins Abseits.
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Helmsauer & Kollegen...

Der Spezialist für das Gesundheitswesen
Persönlicher Kontakt, Vertrauen und Stabilität stehen bei uns an erster Stelle, wenn es um die Beratung im Bereich der Versicherung, Betriebswirtschaft sowie der Abrechnung geht.
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Mitglieder-Login

Geschlossener Bereich für Mitglieder des BAO.
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Partner PKG

Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) e.V. ist ein Zusammenschluss von Operationszentren, Tages- und Praxiskliniken und medizinischen Versorgungszentren, in denen ambulante und praxisklinische Operationen durchgeführt werden.
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Partner AND

Das AND e.V. als Zusammenschluss regionaler Anästhesie-Netze und –Genossenschaften vertritt auf Bundesebene Interessen der freiberuflich tätigen und niedergelassenen Anästhesisten.
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BVASK

Der Berufsverband für Arthroskopie e. V.
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