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BAO-Depesche; Ausgabe 32, April 2014
BAO intern - Nachrichten aus erster Hand

BAO Präsidium
Vergleich von OECD-Daten: Deutschlands OP-Statistik ist mangelhaft!

BAO Positionen
Bundeskongress Chirurgie: Bleibt das Patientenwohl auf der Strecke?
DGUV und PKV: Verlässliche Partner für das Ambulante Operieren?

BAO Recht
Höchstrichterliche Bestätigung für Politik gegen freiberufliche Ärzte

BAO Qualität
Patientensicherheit: Anästhesie als unliebsamer Kostenfaktor
Ambulante Kinderchirurgie: Beste Versorgung für kleine Patienten

BAO Partner
Krankentagegeldversicherung für Ärzte und Zahnärzte

BAO Regional
AOP-Kurse für MFA: Sonderkonditionen für BAO-Mitglieder

BAO Depesche, Ausgabe 32/14, April 2014

Vergleich von OECD-Daten durch die IAS:
Deutschlands OP-Statistik ist mangelhaft !

Die Erfassung der ambulanten und stationären Operationsfälle in
Krankenhäusern und Tageskliniken ist dringend zu verbessern.

Von Prof. Jost Brökelmann

Zusammenfassung:
Die International Association for Ambulatory Surgery (IAAS) hat erneut einen internationalen Vergleich ambulant und stationär durchgeführter Operationen veröffentlicht.
Methodik:
Basis für den Vergleich waren die Kriterien der Organisa- tion für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), also OP-Fälle und Einteilung derselben in stationäre Fälle, Tagesfälle und ambulante OP-Fälle. Die KBV stellte die nötigen Daten für 37 Vergleichsoperationen zur Verfügung.
Ergebnisse:
Bislang fehlten bei den OECD-Daten alle ambulanten Operationen aus dem vertragsärztlichen und privatärzt- lichen Bereich. Dadurch war es etwa möglich, dass die große Mehrheit aller Kataraktoperationen aus Deutschland in der OECD-Statistik nicht erschien. Nach Berücksichtigung der neuen Daten für den EBM-Abrechnungsbereich fällt Deutschland durch eine hohe Rate von Operationen bezo- gen auf 100.000 Einwohner und besonders niedrige Raten ambulanter Operationen auf.
Schlussfolgerungen:
Die niedrige Rate ambulanter Operationen ist wahrschein- lich durch eine im internationalen Vergleich beschämend niedrige Vergütung verursacht. Eine Reform der Vergütung des Ambulanten Operierens ist dringend erforderlich. Außerdem sollte in Deutschland eine gesetzliche Grundlage für eine nationale Operationsstatistik nach internationalem Standard geschaffen werden.

Einleitung
Die Basisdaten der deutschen Operationsstatistiken stammen aus Abrechnungsdaten, so zum Beispiel die DRG- [1,2] und K2-Statistik [3]. Es werden also keine Daten aus einer eigens geführten Operationsstatistik herangezogen, wie
es früher bei den sogenannten OP-Büchern der einzelnen Krankenhäuser der Fall war; letztere dienten der Qualität der Versorgung. Bei der Nutzung von Abrechnungsdaten handelt es sich also um eine Sekundärnutzung vorhandener Daten, die eine besonders sorgfältige Evaluierung erfordern.
In Deutschland werden alle stationär durchgeführten Operationen unabhängig vom Versichertenstatus der Patienten nach DRG abgerechnet [4]. Aus diesen Abrechnungsdaten wurden bislang für die Darstellung der Operationshäufigkeit die Zahl der operativen Prozeduren veröffentlicht [5]. Nach den deutschen Kodierrichtlinien sind für die Abbildung komplexer Eingriffe und Teilmaßnahmen alle signifikanten operativen Eingriffe und medizinische Prozeduren, die vom Zeitpunkt der Aufnahme bis zur Entlassung erfolgen und im amtlichen Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) abbildbar sind, von den Krankenhäusern zu verschlüsseln. Da jedoch im Durchschnitt rund zwei operative Prozeduren pro Patient, sprich pro Fall, nachgewiesen werden, liegt
die Zahl der operierten Fälle etwa um die Hälfte niedriger als die veröffentlichte „Zahl der Operationen“. Auf diese Tatsache wurde mehrfach hingewiesen [6,7].
Ambulant nach § 115b SGB V abgerechnete Operationen werden in der K2-Statistik nicht nach Prozeduren, sondern nach Fällen, also behandelten Patienten, abgerechnet. Die K2-Statistik liefert demnach schon fallbezogene Daten. Für eine bundesweite Gesamtstatistik fehlen insbesondere alle Operationsdaten aus dem vertragsärztlichen Bereich (EBM der KBV), alle Daten aus der Gesetzlichen Unfallversicherung sowie alle Daten von privatärztlich abgerechneten ambu- lanten Operationen.
Außerdem fehlen bevölkerungsbezogene Daten, unter anderem die Zahl der Eingriffe pro 100.000 Einwohner, die für eine solide Gesundheitsplanung unerlässlich sind, sowie die Angaben zur Häufigkeit der einzelnen Operationsarten, das heißt, wie viele der Operationen ambulant und wie viele stationär durchgeführt wurden. Es gibt allerdings zwei Fortschritte aus dem vergangenen Jahr zu vermelden:
1. Im Jahre 2013 gab es erstmals seit 2004 mit Hilfe der IAAS fallbezogene Daten von der KBV für 37 ambulante Operationen [8]. Dies sind die 37 Operationen des IAAS- Korbs (basket) ambulanter Operationen, der alle zwei Jahre von der IAAS zusammen gestellt wird.
2. Für vollstationär durchgeführte Operationen werden im Rahmen der OECD-Daten für Deutschland erst- malig seit 2011 rückwirkend bis 2005 nicht mehr maßnahmen-, sondern fallbezogene Informationen veröffentlicht [9].
Mit den jetzt von der KBV zur Verfügung gestellten Daten konnte Deutschland wieder am internationalen Vergleich der 37 Standard-Operationen der IAAS teilnehmen.





Methodik

Es wurden folgende OECD-Definitionen [10] benutzt:

1. OP-Fall. Nur ein Prozeduren-Code pro Prozeduren- Kategorie pro Fall.
2. Stationäre Fälle. Formal im Krankenhaus auf- genommen, dort wenigstens eine Nacht verbracht.
3. tagesfälle. Formal im Krankenhaus aufgenommen,
am selben Tag entlassen.
4. Ambulante OP-Fälle. Nicht in einem Krankenhaus
aufgenommen. Operationen werden außerhalb eines Krankenhauses in einer Tagesklinik oder einer Notfall- Ambulanz des ambulanten Sektors durchgeführt.

Die fallbezogene Zahl der stationären operativen Eingriffe für das Jahr 2011 wurde aus der DRG-Statistik entnommen [11], die Zahl der ambulanten Operationen am Krankenhaus aus der K2-Statistik [3]. Die fallbezogenen Daten zu 37 ambulanten Operationen aus dem vertragsärztlichen Bereich (EBM) hat die IAAS von der KBV auf Anforderung erhalten. Ebenso erhielt der BAO die Gesamtzahl der ambu- lanten Operationen nach EBM von der KBV.
Die Operationszahlen aus privatärztlicher Behandlung wurden auf Basis eines zehnprozentigen Anteils der Privatversicherten an der Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Die Zahlen für kosmetische Operationen stammen aus einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) [12]. Keine Operationszahlen erhielten wir von der Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und zu Selektivverträgen zwischen Vertragsärzten und Krankenkassen.

Ergebnisse
Zahl der Operationen in deutschland: In Tabelle 1 ist die Zahl der Operationsfälle in Deutschland aus verschiedenen Statistiken zusammen gestellt. Die durchschnittliche Rate von ambulanten Operationsfällen ist mit 50 Prozent auffallend niedrig im Vergleich zu anderen Industriestaaten, in denen diese Raten 80 bis 93 Prozent erreichen [13].
Operationszahlen im internationalen Vergleich: Sechs europäische Länder erfüllten die Kriterien der OECD nach fallbezogenen Daten und konnten somit miteinander verglichen werden [8]: Tabelle 2 zeigt die Häufigkeit ambulanter Operationen pro 100.000 Einwohner, Tabelle 3 die Häufigkeit ambulanter Operationen im Vergleich zu stationärer Versorgung. Deutschland hat eine hohe Operations- häufigkeit pro Einwohner (orange markiert in Tabelle 2) und eine auffallend niedrige Rate an ambulant durchgeführten Operationsfällen (orange markiert in Tabelle 3).
diskussion
datenerfassung: Die veröffentlichte Statistik der IAAS zeigt, dass bei Zugrundelegung der OECD-Kriterien die untersuchten Gesundheitssysteme gut miteinander verglichen werden können. Die Ergebnisse laden zu Diskus- sionen innerhalb der nationalen Gesundheitssysteme ein und werden letztendlich zu Verbesserungen führen.
Bei den Angaben aus Deutschland führte das Fehlen der vertragsärztlichen Operationsfälle nach EBM dazu, dass etwa bei den Kataraktfällen im Jahre 2011 nur 137.052 Fälle der OECD gemeldet und die 625.922 Fälle aus dem vertrags- und belegärztlichen Bereich nicht berücksichtigt wurden. Damit fehlten bei den OECD-Zahlen für Deutschland 78 Prozent aller Kataraktfälle und mehr, denn alle privatärztlich
abgerechneten Kataraktfälle sind in den 78 Prozent noch nicht enthalten. Die Fehlerquote dürfte deshalb eher um 86 Prozent liegen.
Konsequenzen aus der vorliegenden OP-Statistik:
1. In Zukunft sollten für internationale Studien nur noch fallbezogene Statistiken nach OECD-Kriterien erstellt werden.
2. Die KBV sollte fallbezogene Daten für alle nach EBM abgerechneten Operationsarten veröffentlichen und an die OECD weiterleiten.
3. Die PKV sollte ebenfalls eine fallbezogene Statistik über ambulante Operationen einschließlich der kosmetischen Operationen erstellen und veröffentlichen.
4. Auch die Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) sollte Statistiken veröffentlichen, sofern die Operationen nicht bei der Krankenhausstatistik berücksichtigt werden.
5. Die Krankenkassen sollten eine OP-Statistik der Opera- tionen und Prozeduren veröffentlichen, die unter anderem im Rahmen von Selektivverträgen erfolgten.
6. In Deutschland sollte eine gesetzliche Grundlage für eine bundesweite Operationsstatistik nach inter- nationalem Standard geschaffen werden.
7. Um in den Abrechnungsdaten den Fallbezug herstellen zu können, sollte von den Operateuren die Haupt- prozedur der jeweiligen Operationsart benannt werden, wie es bis 2004 üblich war.
Fragen zur häufigkeit der Operationen in deutschland:
Das Bundesgesundheitsministerium lässt zurzeit über- prüfen, ob und aus welchen Gründen in Deutschland zu viel operiert wird. Für diese Prüfung dürften die jetzt vorgelegten Daten von Bedeutung sein.
Zur Frage der niedrigen raten ambulant durch- geführter Operationen: Der Hauptgrund für die niedrige Rate ambulanter Operationen in Deutschland ist aus Sicht der Operateure und Anästhesisten die zu niedrige Vergütung ambulanter Operationen und Anästhesien: Ambulante Operationen werden nämlich in Deutschland so niedrig vergütet wie in keinem anderen verglichenen Land, das heißt nur zu durchschnittlich 25 Prozent der DRG-Vergütung [14, 15]. Dieses gilt sowohl für das Krankenhaus als auch für spezialisierte Arztpraxen (Praxis-, Tageskliniken, MVZ, AOZ, etc.).
Im Gegensatz zu Deutschland gewähren viele andere Länder eine gleich hohe Vergütung der Operationsleistung – unabhängig davon, ob die Operation nun ambulant oder stationär durchgeführt wird. Falls aus medizinischen Gründen eine stationäre Versorgung notwendig ist, werden die Kosten für die Betreuung im Krankenhaus zusätzlich vergütet. Die Folgen dieser schlechten Vergütung sind in Deutschland:

» Im Krankenhaus werden Operationen aus wirtschaftlichen Gründen eher stationär durchgeführt, da dann bis zu viermal höhere Einkünfte erzielt werden.
» Niedergelassene Ärzte lassen – ebenfalls aus wirtschaft- lichen Erwägungen – viele unzureichend vergütete Operationen im Krankenhaus operieren. Dadurch kann das Krankenhaus zwar mehr operieren, jedoch erfolgt dies hauptsächlich stationär. Dies führt in einen „Teufelskreis“ steigender Zahlen stationär durchgeführter Operationen. Auslöser dieser teuren Entwicklung ist die zu niedrige Vergütung des Ambulanten Operierens.

Ausblick
Nur wirtschaftlich berechnete Gebühren, die die entstandenen Kosten in effizient operierenden Einheiten decken, können gewährleisten, dass es zu einem fairen Wettbe- werb um Qualität und Effizienz der Betreuung zwischen den verschiedenen Operationseinheiten kommen kann. Die wirtschaftlichen Berechnungen der Gebührenordnung müssten durch ein unabhängiges Institut erarbeitet und jährlich angepasst werden. Ob die Vergütungen in Form von ambulanten DRG, wie international üblich und auch im SGB V vorgesehen, oder als Einzelleistungsvergütung nach GOÄ berechnet werden, sollte ebenfalls durch unabhängige Expertise geklärt werden. Über mögliche Konstruktionsfehler der DRG hat kürzlich Simon berichtet [16].

Bundeskongress Chirurgie: Bleibt das patientenwohl auf der strecke?
Patienten stehen nicht mehr im Mittelpunkt des Gesundheitswesens, und auch die ärztliche Kunst gerät zunehmend ins Hintertreffen.
Von Antje thiel

Vom 21. bis 23. Februar fand in Nürnberg der Bundes- kongress Chirurgie 2014 statt, der jährlich gemeinsam vom Berufsverband Niedergelassener Chirurgen (BNC), dem Bundesverband Ambulantes Operieren (BAO) und dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) ausgerichtet wird.

Seit 1992 nur noch Kostendämpfungsgesetze

Bei der Eröffnungssitzung zog BNC-Präsident Dr. Dieter Haack, der seine berufliche und berufspolitische Laufbahn Ende 2014 beenden wird, eine Bilanz aus 30 Jahren chirurgischer Arbeit: „Als ich vor 30 Jahren in die Praxis meines Vaters einstieg, war die Welt für uns Ärzte noch in Ordnung. Es gab keine Budgets, und jede Leistung wurde einzeln vergütet.“
Mit dem Antritt von CSU-Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer 1992 habe sich die Situation Schritt für Schritt verschlechtert: „Ein Kostendämpfungsgesetz jagte das andere, immer mehr Abrechnungsziffern wurden in Pauschalen versenkt“, kritisierte Haack. Im Verlauf der vergangenen Jahre habe er zunehmende staatliche Einflussnahme und Zentralisierung sowie eine gleichzeitige Entmachtung der ärztlichen Selbstverwaltung beobachten müssen.
„Hinzu kommt die fortlaufende Diffamierung der Ärzteschaft. Diffamierung bedeutet laut Wikipedia das Streuen von Gerüchten und Hetzen gegen den politischen Gegner mit dem Ziel, ihn zu ruinieren – und genau das ist es, was die Kassen und die Politik mit uns niedergelassenen Fachärzten im Sinn haben!“, warnte Haack.
Der aktuelle Koalitionsvertrag mache wenig Hoffnung, dass sich Ärzte künftig wieder auf ihre eigentliche Arbeit und das Patientenwohl konzentrieren können: „Im Koalitionsvertrag ist in Bezug auf das Gesundheitswesen ständig von Qualität die Rede, doch der Politik geht es um einen formalisierten Qualitätsbegriff, der keinen Raum für Empathie lässt.“
Haus- und Fachärzte: Weiter gespaltene Lager
BAO-Präsident Dr. Axel Neumann bemängelte am Koalitions- vertrag vor allem, dass er die Spaltung und Zwietracht zwischen Haus- und Fachärzten eher weiter schüren als beenden werde: „Die hausarztzentrierte Versorgung wird weiter gefördert, Fachärzte wiederum werden mit Terminvorgaben gegängelt.“
Gleichzeitig warb Neumann um Solidarität mit dem Marburger Bund, der sich in einer aktuellen Kampagne gegen ein gesetzlich verankertes Streikverbot und für die Gewerkschaftsfreiheit einsetzt: „Der aktuelle Angriff auf die Tarifhoheit ist gefährlich und betrifft unsere Kollegen in den Kliniken, die später einmal unsere Praxen übernehmen sollen.“
Neumann kritisierte darüber hinaus, dass der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) weiterhin das Ambulante Operieren nicht adäquat abbildet: „Mittlerweile wird sogar schon öffentlich zugegeben, dass die Einsparungen, die durch die Verlagerung von Eingriffen vom stationären in den ambulanten Sektor erzielt werden können, nicht bei uns landen, sondern bei den Kostenträgern. Das alles stimmt einen sehr bedenklich.“
Das Heilen von Menschen ist keine Industrie
Auch BDC-Präsident Prof. Hans-Peter Bruch warnte vor unguten Entwicklungen im Medizinbetrieb: „Das Heilen eines Menschen ist kein Werkstück und keine Industrie, auch wenn uns etliche Institutionen dies glauben machen wollen.“ Zu diesen Institutionen zählten zum Beispiel die Krankenkassen, wie Bruch mit Blick auf den umstrittenen AOK-Krankenhausreport erklärte: „Da nutzt eine Kasse mit einem vertrauenerweckenden Lebensbaum im Logo alte Daten und rechnet sie hoch, um zu skandalisieren und Ärzten Behandlungsfehler vorzuwerfen.“
Mit diesem Vorgehen werde die AOK ihrem eigenen Qualitätsanspruch nicht gerecht, denn offenkundig wisse sie gar nichts über ihre Versicherten. „Zudem suggerieren die Mengenvorwürfe gegenüber den Ärzten, es gehe uns nur um Geschäftemacherei – dabei war es nicht wir, sondern die Politik, die den Wettbewerbsgedanken in den Medizinbetrieb gebracht hat.“ Der Politik warf Bruch Untätigkeit wider besseres Wissen vor: „Das System verharrt in einem Zustand, den Psychiater als ‚Locked-in-Syndrom‘ kennen.“
Ökonomisierung bedroht die Heilkunst
Nachdenkliche Töne schlug auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) Prof. Joachim Jähne an, der sich auf die Suche nach der Bedeutung des Begriffs der ärztlichen Kunst machte: „Die Arzt-Patientenbeziehung steht im Mittelpunkt der Heilkunst. Aber Verwissenschaftlichung, Technisierung und Ökonomisierung der Medizin münden in ein objektivierendes Handeln.“ Diese Objektivie- rung könne der Besonderheit der Arzt-Patientenbeziehung nicht vollständig gerecht werden: „Wir Ärzte sind keine Wissenschaftler. Wir benutzen Wissenschaft, doch diese hilft uns im klinischen Alltag nicht immer weiter.“
Jähne warnte: „Wir Ärzte selbst stellen unsere ärztliche Kunst infrage und tragen ebenfalls zur Ökonomisierung und Objektivierung bei, wenn wir nach Regeln, Standards und Zertifikaten rufen, mit denen wir uns von Wettbewerbern abgrenzen wollen und Abweichungen von der definierten Norm kritisieren.“ Wer sich als Arzt nur noch auf objektiv messbare Werte stütze, der verlasse die subjektive Wahr- nehmung und damit auch den Pfad der ärztlichen Heilkunst.
Zukunft der chirurgischen Grundversorgung
In der chirurgischen Grund- und Regelversorgung gibt es angesichts des demographischen Wandels und steigender Morbidität in Deutschland weiterhin einen großen Bedarf für ein patientenzentriertes Verständnis der ärztlichen Heilkunst. Doch die Kostenunterdeckung in der GKV-Vergütung, die Zersplitterung in immer mehr verschiedene Facharzt-
bezeichnungen und der Wettbewerb anderer Fach- und Berufsgruppen um originär chirurgische Tätigkeiten lassen die Zukunft des chirurgischen Generalisten eher fraglich erscheinen, wie Kongressleiter Dr. Stephan Dittrich zum Auftakt des Politischen Vormittags am 22. Februar 2014 erklärte.
Profil als Grundversorger schärfen
Immerhin waren sich die Podiumsgäste darin einig, dass niedergelassene Chirurgen zu den fachärztlichen Grundversorgern zählen. Dieses Profil sollten sie noch weiter schärfen, riet Dr. Andreas Köhler, der beim Bundeskongress seinen letzten öffentlichen Auftritt vor seinem Rücktritt
als KBV-Vorstandsvorsitzender hatte: „In den vergangenen Jahren wurden niedergelassene Chirurgen hauptsächlich als ambulant operierendes Fach wahrgenommen. Doch den Großteil ihres Umsatzes erwirtschaften die meisten mit konservativen Leistungen.“
Aus diesem Grund müssten im Zuge der Honorarverhandlungen Zuschläge für die Grundversorgung in Form von Pauschalen für die fachärztliche Grundversorgung (PFG) ausgebaut werden, forderte Köhler. „Nur wenn Chirurgen operieren, dann sind sie fallbezogen auch spezialfachärzt- liche Versorger. Diese Unterscheidung muss sich auch im EBM abbilden.“
Gefahr durch die nächste Novelle der WBO?
Den Schilderungen eines positiven Zukunftsszenarios für niedergelassene Chirurgen widersprach der niedergelas- sene Chirurg Dr. Christoph Schüürmann aus Bad Homburg:

Es könnte künftig schwierig werden, ein Profil als Grundversorger überhaupt weiter aufrechtzuerhalten, wenn mit der nächsten Novelle der Weiterbildungsordnung (WBO) der Facharzt für Allgemeinchirurgie abgeschafft werden soll. Eine solche Abschaffung sei nämlich jüngst von der Weiterbildungskommission der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) beschlossen worden.
Wenn es aber nur noch Fachärzte für Viszeralchirurgie und Fachärzte für Orthopädie/Unfallchirurgie geben sollte, hätte dies dramatische Konsequenzen für die Versorgung und für die Nachfolge in chirurgischen Praxen: „Wer als Facharzt für Allgemeinchirurgie dann seine Praxis verkaufen will, muss eigentlich zwei Fachärzte als Nachfolger einbringen, damit das bisherige Leistungsspektrum aufrechterhalten werden kann“, warnte Schüürmann.
Neben Spezialisten braucht man Generalisten!
Köhler stimmte ihm zu und kritisierte die drohende Ent- wicklung, die in der Vergangenheit schon bei Internisten und Nervenärzten zu Fehlentwicklungen geführt habe: „Für die chirurgische Grundversorgung ist der Allgemeinchirurg unverzichtbar!“ Und auch Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Landesärztekammer Thüringen und Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer (BÄK), mahnte: „Je weiter die Spezialisierung auf der einen Seite fortschreitet, umso mehr braucht man auf der anderen Seite den Generalisten.“ Sie appellierte an die chirurgischen Fachgesellschaften und Berufsverbände, sich in den Diskussionsprozess einzubringen, damit dieser Beschluss nicht vom Deutschen Ärztetag ratifiziert wird.
Aus der kritisierten Sitzung der DGCH-Weiterbildungskommission berichtete BDC-Präsident Prof. Hans-Peter Bruch: Man habe zusammen mit dem einstimmigen Votum für eine weitere Spaltung des Fachebiets auch beschlossen, einen gemeinsamen Common Trunk für alle chirurgischen Fächer zu verabschieden, um genau diesen Anforderungen gerecht zu werden: „Wie die Umsetzung auch im Sinne der niedergelassenen Chirurgen funktionieren kann, ist mir noch unklar – aber ich bin zuversichtlich“, sagte Bruch.
KBV-Chef Köhler zeigte sich allerdings skeptisch: „Es ist doch illusionär zu glauben, dass die Viszeralchirurgen als kleine Entität sich gegenüber der großen Gruppe der Orthopäden und Unfallchirurgen werden durchsetzen können. Diese Regelung wäre suizidal für die Chirurgen!“
Nicht kompatibel mit dem Vertragsarztrecht
Und auch Schüürmann blieb bei seiner kritischen Haltung: „Als der Deutsche Ärztetag seinerzeit den Facharzt für Chirurgie, den Schwerpunkt Unfallchirurgie und den Facharzt für Orthopädie abgeschafft hat, war vielen von uns nicht klar, was das letztlich bedeutet. Wir haben dann den Facharzt für Allgemeinchirurgie mit ein paar unfallchirurgischen Weiterbildungsinhalten, den Facharzt für Viszeralchirurgie und den Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie bekommen. Das hat uns dann aber ganz brutal erwischt, weil es gar nicht kompatibel mit dem Vertragsarztrecht war. Jetzt soll mit der Abschaffung des Facharztes für Allgemeinchirurgie scheinbar noch eins draufgesetzt werden. Wir lehnen diese geplante Änderung vollständig ab“, erklärte Schüürmann im Namen der niedergelassenen Chirurgen.

DGUV und PKV: Verlässliche Partner für das Ambulante Operieren ?
Angesichts der Honorarmisere in der GKV müssen ambulante Operateure und Anästhesisten Ausschau nach neuen Partnern halten.
Von dr. Axel neumann

Der gemeinsame Bundeskongress Chirurgie vom 21. bis 23. Februar 2014 in Nürnberg ist erfolgreich zu Ende gegangen. Rund 1.000 Teilnehmer besuchten vielfältige Veranstaltungen, Workshops und Kurse. Die weitgefächerten Angebote zur Fort/- und Weiterbildung von Chirurgen, Vertragsärzten, medizinischen Fachangestellten und erfreulicherweise auch von Medizinstudentinnen und -studenten fanden große Akzeptanz und waren überwiegend ausgebucht.
PKV und BGen als bevorzugte Vertragspartner
Das BAO-Symposium am Sonntagmorgen setzte den Schwerpunkt auf die Zukunft des Ambulanten Operierens gemeinsam mit Verhandlungspartnern der Berufsgenossenschaften und der privaten Krankenversicherungen.
Die sture Verweigerungshaltung der meisten gesetzlichen Krankenkassen in Bezug auf eine Förderung des Ambulanten Operierens macht den Blick auf andere mögliche Vertragspartner für Operateure und Anästhesisten drin- gend erforderlich. Der scheidende Vorsitzende des BNC, Dr. Dieter Haack, gab einen hervorragenden Überblick über die derzeitigen Vorteile, aber auch über die bestehenden Schwierigkeiten im ökonomischen Umgang mit den Berufsgenossenschaften. Eine Verbesserung der Gebührenpositionen konnte bislang nicht für operative Eingriffe, wohl aber für das Berichtwesen und die großen Gutachten erreicht werden. Die Mehrvergütung ist hier zum Teil beträchtlich.
Vorzeigeprojekt BG-Klinik Ludwigshafen
Das Ambulante Operieren bleibt dennoch ein Stiefkind der gesetzlichen Unfallversicherung und wird ökonomisch nicht spürbar gefördert. Umso erstaunlicher war der Blick auf den Gesundheitscampus der BG-Klinik Ludwigshafen, den der Referent Prof. Paul Alfred Grützner gewährte. Intern scheint man die Notwendigkeit einer kostengünstigen und vor allem zeitlich effizienten ambulanten operativen Versorgung erkannt zu haben – ein großes ambulantes Operationszentrum wurde gemeinsam mit anderen umfassenden Versorgungseinrichtungen auf dem Campus erbaut. Erfreulicherweise wurden niedergelassene Vertragsärzte – Chirurgen und Anästhesisten – mit der Planung und der Durchführung der medizinischen Versorgung betraut.
Das hervorragend organisierte Projekt zeigt eine bemerkenswerte neue Möglichkeit der Kooperation von vertragsärztlichen Operateuren oder Anästhesisten mit Kranken- häusern auf – Partner können nicht nur Privatkliniken
oder defizitäre kommunale Krankenhäuser sein, sondern neuerdings auch finanzkräftige BG-Kliniken. Es wird spannend sein zu beobachten, ob das Projekt Ludwigshafen eine Ausnahme bleibt, oder ob es auch an anderen Klinikstandorten zu Kooperationsangeboten an freiberufliche Operateure kommen wird.
PKV: Kaum Daten zum Ambulante Operieren
Das Referat des ärztlichen Leiters des Verbandes der Privaten Krankenkassen (PKV), Dr. Norbert Loskamp, ergab wichtige Informationen über Pläne und Strukturen der PKV-Gesellschaften. Loskamp bemängelte eine im Vergleich zum GKV-System noch schlechtere Datenlage über Versorgungsmenge und Versorgungsqualität von privat krankenversicherten Bundesbürgern.
Eine systematische Erfassung von Leistungen finde immer noch nicht statt, obwohl verschiedentlich angemahnt. Der ungebrochene Anstieg der GOÄ-Leistungsziffer 442 ff. gibt nach Darstellung Loskamps jedoch deutliche Hinweise darauf, dass die Zahl der ambulanten Operationen im PKV-Bereich steigt. Präzise Angaben zu Fachgebiet und Operationsarten oder über die Zufriedenheit der Patienten bezüglich der Qualität ihrer Versorgung können allerdings in keiner Weise gemacht werden.
Loskamp gab einen vorsichtig zurückhaltenden Ausblick auf die Zukunft der GOÄ. Die grundsätzliche Konsentierung zwischen PKV-Verband und Bundesärztekammer erlaube keine Rückschlüsse darauf, wann die neue GOÄ fertig sein wird – und vor allem darauf, wann der Prozess der ökonomischen Bewertung der Leistungslegenden endlich eingeleitet wird.
GOÄ: Es kann nicht nur Gewinner geben ?
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das Interview mit dem Präsidenten der Bundesärztekammer, Prof. Frank-Ulrich Montgomery, zum Thema neue GOÄ im Deutschen Ärzteblatt vom 28. Februar 2014 (siehe http://tinyurl.com/p38yyyl). Bevor die Beschreibung des Leistungsverzeichnisses überhaupt abgeschlossen und eine Bewertung der Leistungen von den Vertragspartnern vorgenommen wurde, erklärte er darin: „Es kann nicht nur Gewinner geben, aber wir können garantieren, dass niemand dabei sein wird, der so viel verliert, dass es für ihn in irgendeiner Weise existenziell bedrohlich wird.“
Liebe Kolleginnen und Kollegen, allein diese öffentliche Aussage von Montgomery zu diesem Zeitpunkt lässt erahnen, dass es zu schwierigen Auseinandersetzungen kommen muss. Die Fachgesellschaften oder die Berufsverbände sind bislang in keiner Weise in die Frage der Bewertung einbezogen worden, nichts ist transparent, nichts ist öffentlich. Das kann aus meiner Sicht nur schiefgehen.
BAO setzt auf strategische Partnerschaften
Eine moderne, gerechte neue Gebührenordnung für Ärzte wird noch lange auf sich warten lassen. Der BAO wird jedoch, einem Vorstandsbeschluss folgend, alle Anstrengungen unternehmen, um strategische Partnerschaften mit privaten Krankenversicherern aufzubauen. Kostengünstige Tarife für das Ambulante Operieren unter Verzicht auf Selbstbehalte, Tagegeld-Regelungen wie bei stationären Aufenthalten und die Publikation unserer Benchmarks durch die Beratungsstellen der Versicherungsgesellschaften sind unsere Ziele für die Zukunft.

Höchstrichterliche Bestätigung für eine Gesundheitspolitik gegen freiberufliche Ärzte
Die Deutschen sind scheinbar nicht an einem marktwirtschaftlichen, sondern einem staatlich gelenkten Gesundheitssystem interessiert.
Von Prof. Jost Brökelmann

Anlass folgender Überlegungen ist die höchstrichterliche Bestätigung der Rechtmäßigkeit des Budgetzwangs durch das Bundessozialgericht (BSG): Es sei nur eine „Idealkonzeption“ des Gesetzes, dass die Preise der Euro-Gebührenordnung erreicht würden [1]. 2013 hatte das BSG schon ent- schieden, dass vom KBV-Vorstand ausgehandelte Verträge keinem Genehmigungsvorbehalt der Vertreterversammlung (VV) unterliegen [2]. Damit wird die demokratische Kontrolle des KBV-Vorstands durch die VV eingeschränkt.
Beide Entscheidungen stärken die Macht des Gesundheitsministeriums als Aufsichtsbehörde. Der Eindruck drängt sich auf: Die Politik benutzt in zunehmendem Maße die Selbstverwaltungsorgane als Herrschaftsinstrument.
Situation der Selbstverwaltung
Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wird in Deutschland von den Selbstverwaltungsorganen Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) und Ärztekammern (ÄK) umgesetzt. Letztere unterliegen der Aufsicht des Gesundheitsministeriums. KVen und ÄK führen Amtssiegel und unterstreichen damit, dass sie Behörden sind; als solche dürfen sie nicht gegen die Interessen des Staates handeln. Die Funktionäre der Selbstverwaltungsorgane sind also Diener der Gesundheitsbehörde, die Leistungserbringer im GKV-System ebenso. Durch immer stärkeres Eingreifen des Staates, etwa durch Budgetierung der Gesundheitsausgaben seit 1993, wurde der Handlungsspielraum der für das GKV-System arbeitenden Vertragsärzte – die eigentlich Freiberufler sind – immer enger, so dass für den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Kirchhof der Ärztestand der am wenigsten freie unter allen freien Berufen ist [3].
Situation der Sozialgerichte
Die Stellung der Sozialgerichte wurde im Sinne des Sozialstaats gestärkt, seit diese 1999 im GKV-Wettbe- werbsstärkungsgesetz der „rot-grünen“ Regierung von der ordentlichen Gerichtsbarkeit abgetrennt wurden, um unter anderem die Kassen dem Zugriff des europäischen
Kartellrechts zu entziehen [4]. Die Nachfolgeregierung, eine Koalition aus CDU, CSU und FDP, hat diese Trennung des Gerichtswesens nicht rückgängig gemacht und damit akzeptiert. Die Grundhaltung der Sozialgerichte wurde unter anderem deutlich, als sie den Vertragsärzten untersagten, im GKV-System wirtschaftlich argumentieren und handeln zu dürfen [5].
„Stille“ Parteipolitik
Die SPD ist schon immer für ein staatlich gelenktes Gesundheitssystem eingetreten: Sie wünscht eine Einheitsversicherung für das ganze Volk. Auch die CDU will offenbar das bestehende Sozialversicherungssystem als Herrschafts- instrument erhalten und setzt dabei auf die Wirtschaft.
So ist Wolfgang Pföhler (früher tätig für Rhön-Kliniken AG und Deutsche Krankenhausgesellschaft) Vorsitzender der Kommission Gesundheitswirtschaft im Wirtschaftsrat der CDU. Neben ihm sitzen Frank Gotthard vom IT-Konzern CompuGroup und Silke Lautenschläger von der privaten Deutschen Krankenversicherung AG [6,7]. Bemerkenswert ist außerdem, dass es bislang in der CDU-Fraktion des Bundestages keine Mehrheit für die Einführung des Kostenerstattungsprinzips im GKV-System gab; dabei gilt dieses Prinzip als klassisches Instrument der Marktwirtschaft.
Wirtschaftliche Aspekte des Operierens
Deutsche ambulante Operateure und Anästhesisten haben als Freiberufler gezeigt, dass sie Operationsleistungen konkurrenzlos kostengünstig erbringen können [8]. Dies geschah durch:

1. neue Organisationsstrukturen (Teamarbeit, kleine Einheiten und Tageskliniken mit Klinik-Qualitätsstandard),
2. betriebswirtschaftlich ausgerichtetes Praxismanagement (niedrige Betriebskosten pro Minute),
3. Qualitätssicherung nach objektiven Kriterien, etwa mittels AQS1 [9],
4. patientenfreundliches ärztliches Engagement.

Diese objektiven Erfolge werden jedoch totgeschwiegen, weil die großen Parteien das Operieren nicht in speziellen Arztpraxen, sondern in Krankenhäusern fördern wollen, auch wenn dies bis zu viermal teurer ist [10,11]. Diese Förderung hat dazu geführt, dass in Deutschland im europä- ischen Vergleich auffallend häufig pro 100.000 Bevölkerung operiert wird und dass die Quote der ambulanten Operationen auffallend niedriger ist als im Vergleichskollektiv [12].
Gesundheitskonzerne
Private Klinikkonzerne haben einen beträchtlichen Anteil maroder Krankenhäuser aufgekauft und fördern gut dotierte Operationen zur Gewinnerzielung. Zudem nutzen sie eigene Medizinische Versorgungszentren (MVZ) mit angestellten Ärzten zur Zuweisung von Patienten in ihre Kliniken [13].
Arztberuf
Laut Berufsordnung ist der Arztberuf ein freier Beruf. Dies ist aber eher Wunschdenken, denn Vertragsärzte müssen für 90 Prozent der Bevölkerung politisch vorgegebene Leistungen zu politisch festgelegten Preisen erbringen, selbst wenn die Leistungen für sie selbst unwirtschaftlich sind. Nur ein kleiner Teil der Vertragsärzte nutzt die rechtlich gegebene Möglichkeit, nur das Minimum von 20 Wochenstunden für das GKV-System arbeiten zu müssen.
Geschichte der Ärzteorganisation
Anlässlich der Empfehlung des Verfassungsrichters Kirchhof [14], Ärzte sollten ihre Rechte als Unternehmer wahrnehmen, wurde dargelegt, warum die Ärzte sich bislang nicht mehrheitlich für ein freies Unternehmertum engagiert haben [15]. Auch die jüngsten Versuche der Hausärzte und Urologen, sich von den KVen zu emanzipieren, fanden keine ausreichende Mehrheit unter den Ärzten.
Deutsche Zivilgesellschaft
Die deutsche Bevölkerung scheint nach jüngsten Umfragen des Instituts für Demoskopie Allensbach selbst bei
wirtschaftlichen Problemen eher eine staatliche als eine marktwirtschaftliche Intervention zu befürworten. Weder das Nachkriegs-Wirtschaftswunder, noch das Scheitern der sozialistischen Ökonomien in Ostmitteleuropa haben die stille Zuneigung der Deutschen zur Wirtschaftsplanung wesentlich beeinflussen können [16]. Ein ähnliches Bild zeigt eine Umfrage zum Unternehmergeist der Jugend 2013: Der Anteil der 15- bis 35-jährigen Europäer, die gern eine eigene Firma aufbauen würden, beträgt in Bulgarien 74 Prozent, in Deutschland nur 31 Prozent [17].
Diskussion
Die deutsche Gesellschaft wünscht aus Eigeninteresse einen gut ausgebauten Wohlfahrtsstaat. Solange es finanziell machbar erscheint, wollen die Deutschen von dem bestehenden Gesundheitssystem profitieren, auch wenn sich der Krankenhaussektor als zu teuer erweist. Die Gesellschaft verlangt für das GKV-System gute Qualität zu niedrigen Preisen, und zwar beides flächendeckend. Aber sie verdrängt, dass dies bislang nur in einem privaten System von freiberuflichen Ärzten realisiert wurde, nicht in einem staatlichen.
Neben dem Eigeninteresse der Wohlfahrtsgesellschaft und dem Machtinteresse der politischen Parteien dürfte eine weitere Gefahr für die ärztliche Freiberuflichkeit vom Bestreben großer Gesundheitskonzerne ausgehen, über MVZ ein Netz von Zuweisern für ihre Privatkrankenhäuser zu errichten. Unter diesen drei Umständen sind die Aussichten für freiberuflich tätige Ärzte, gute und kostengünstige Medizin noch dazu flächendeckend praktizieren zu können, eher kritisch zu sehen. Den Freiberuflern bleibt nur:
» Unternehmerisch denkende Ärzte treffen und vernetzen sich, um praktikable Wege aus der Krise zu finden.
» Unternehmerische Fähigkeiten werden durch Kurse in Praxismanagement und Betriebskostenberechnung verbessert.
» Das Engagement für die GKV wird auf ein wirtschaftlich vertretbares Maß reduziert.
» Freiberufler suchen die Kooperation mit anderen Verbänden von Freiberuflern sowie Institutionen wie der Europäischen Union, die freies Unternehmertum unterstützt.

Fußnoten und Literatur siehe http://www.operieren.de

Patientensicherheit: Geiz ist geil? Anästhesie als unliebsamer Kostenfaktor
Kosten hin oder her: Die Verantwortung eines Anästhesisten endet
erst, wenn die Narkose keinen Einfluss mehr auf den Patienten hat.
Von Dr. Petra Tietze-Schnur


Immer wieder entsetzen mich Nachrichten von Todesfällen bei Narkosen nicht nur in zahnärztlichen Praxen. Wie die meisten berufspolitisch engagierten Ärzte habe auch ich stets behauptet, dies seien tragische Einzelfälle von besonders unglücklichem Verlauf. Wenn ich allerdings in meinem eigenen OP-Zentrum stehe, mir die Vielzahl der Mitarbeiter und Geräte anschaue, die dafür Sorge tragen, dass jede Forderung aus den Leitlinien für den Anästhesiologischen Arbeitsplatz (BDA) eingehalten wird, dann kommen mir Zweifel an dieser Verteidigungshaltung.
In unserem Zentrum ist es Usus, alle Patienten wenigstens am Tag vor ihrer geplanten Operation zu prämedizieren. Wir sichten Laborwerte, EKG- und kardiologische Befunde. Wir verschieben OP-Termine, damit Patienten sich zunächst beim Kardiologen oder Pulmologen vorstellen, oder wenn der Zucker zu hoch, der Quick zu niedrig, der Patient nicht nüchtern ist. Warum treiben wir einen solchen Aufwand, wenn es doch offensichtlich auch ganz anders geht? Die Begründung ist einfach: Wir möchten gut und ruhig schlafen und nicht durch Versäumnisse Menschenleben gefährden.
Postoperative Überwachung mit Babyphone?
Aus meinem „Dornröschen-Dasein“ holte mich kürzlich der Anruf einer Kollegin. Sie erkundigte sich, „was denn so normal sei beim ambulanten Operieren und Narkotisieren“. Müsse sie ihre Klinik-Ansprüche herunterschrauben, weil es in der Praxis, in die sie einsteigen könnte, gar kein Personal gibt? Dort übernähmen Babyphones die „Überwachung“, wenn die Anästhesisten den OP verlassen – so könne man ja hören, wenn der Monitor Alarm gebe. Auch im Aufwachraum würden die Patienten per Babyphone überwacht.
Warum werfen manche hochqualifizierte Anästhesisten ihre fachlichen Überzeugungen über Bord, sobald sie der Klinik den Rücken kehren? Wo sie in der Klinik doch sicher Sturm gelaufen wären, wenn ein böser Chef sie gezwungen hätte, unter solchen Billigstrukturen zu arbeiten? Wir alle kennen
die Antwort auf diese Fragen: schlechte Vergütung und falsch verstandener Wettbewerb sind die Ursachen. Wer ökonomisch überleben will, braucht Fälle.
Es herrscht brutaler Verdrängungswettbewerb
Um diese Fälle aber herrscht ein brutaler Verdrängungs- wettbewerb unter den Leistungserbringern, der beispiels- weise bei einer Podiumsdiskussion des Anästhesienetzes Hamburg im November 2013 diskutiert wurde. „Operateure setzen Anästhesisten unter Druck und wählen dann den billigsten Anbieter. Da findet ein regelrechter Qualitätsunter- bietungswettbewerb statt“, berichtete ein Teilnehmer.
Der Anästhesist, Sachverständige, Patientenanwalt und Gutachter Prof. Uwe Schulte-Sasse aus Heilbronn weist seit vielen Jahren auf diese Missstände hin. In Hamburg ebenso wie in seinem Vortrag beim Bundeskongress Chirurgie 2014 in Nürnberg erklärte er: „Die Anästhesie ist von der Markttransformation des Gesundheitswesens besonders betroffen, weil sie im Kern ein Sicherheitsdienstleister ist, der anderen Fächern die Stellung erlöswirksamer Eingriffsindi- kationen ermöglicht, selbst jedoch als Kostenfaktor einen beliebten Ansatzpunkt für Sparmaßnahmen darstellt. Mit einem ‚erlösverhindernden‘ Veto bei fehlenden Operations- voraussetzungen ist ihr die Aufmerksamkeit der Kollegen gewiss. Gleichzeitig ist sie wie kein anderes Fachgebiet auf gute interdisziplinäre Zusammenarbeit angewiesen und damit abhängig von hinreichenden Organisationsstrukturen, deren Abwesenheit für die Patienten oder ihre Angehörigen erst im Schadensfall sichtbar wird.“

Dabei ist es aus Patientensicht völlig irrelevant, ob der Anästhesist mit einer dem Facharztstandard entsprechenden Narkoseüberwachung nur unzureichende Honorare erzielen kann. Ebenso ist es für ihn irrelevant, ob der Operateur sich auf dem Wege der Honorarverteilung eine eigentlich unzulässige „Fangprämie“ (Zuweisung gegen Entgelt) sichert, weil der Patient sich schließlich gezielt für ihn und nicht etwa für den Anästhesisten entschieden hat. Denn unabhängig davon, was Operateur und Anästhesist vereinbart haben, endet die Verantwortung des Anästhesisten erst dann, wenn die Narkose keinerlei Einfluss mehr auf den Patienten ausübt.
Anästhesisten sind Sicherheitsdienstleister
In einem Schadensfall sind Justiz und Öffentlichkeit rasch auf dem Plan, um Sicherheitslücken aufzudecken. Die Justiz begegnet dem schleichenden „Qualitätsunterbietungswett- bewerb“ durch erhöhte Wachsamkeit und verstärkte Koope- ration mit Ärzten, die von Haftungsrichtern als Verbündete bei der Aufrechterhaltung des Standards betrachtet werden. Dieser Standard impliziert, dass ein Anästhesist in leitender Funktion neben seiner spezifisch anästhesieintensivmedizinischen Kompetenz über eine weitere Kernkompetenz verfügen muss: Er muss kompetent sein in der vorausschauenden Schaffung von Infrastruktur und Ablauforganisation, in der Organisation von Komplikationsabwehr und Notfallvorsorge, in der Koordination der Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Berufsgruppen und in der Analyse von Schwachstellen, Beinahe-Fehlern und Fehlern.
Diese Kompetenzen orientieren sich an den fünf wesentlichen Voraussetzungen für eine medizinische Maßnahme:
» Es muss eine medizinische Indikation vorliegen. » Der Patient muss in die Maßnahme einwilligen. » Vor der Einwilligung muss der Patient aufgeklärt
werden. Vor dem Hintergrund der in der konkreten Einrichtung gegeben Infrastruktur und Ablauforganisation muss der Patient über die für seine Entscheidung bedeutsamen Umstände informiert werden.
» Infrastruktur und Ablauforganisation müssen den gebotenen Versorgungsstandard sicherstellen.
» Infrastruktur und Ablauforganisation müssen vorausschauend darauf ausgerichtet sein, typische Komplikationen bei und nach der medizinischen Maßnahme zu beherrschen.
BAO Qualität Hieraus ergeben sich weitere fünf Grundsätze zu Infrastruktur und Ablauforganisation:
» Infrastruktur und Ablauforganisation entsprechend dem gebotenen Versorgungsstandard schaffen voraussehbar Patientensicherheit.
» Das Fehlen oder Unterschreiten einer solchen Infra- struktur und Ablauforganisation gefährdet voraussehbar die Sicherheit von Patienten.
» Infrastruktur und Ablauforganisation müssen vorausschauend geschaffen werden durch Qualitätsmanagement, Risk-Management und Fehleranalyse.
» Angemessene Infrastruktur und Ablauforganisation verursachen „Produktionskosten“ bei der Leistungs- erbringung.
» Das Fehlen oder Unterschreiten einer Infrastruktur und Ablauforganisation verringert die Produktionskosten und steigert Gewinne bei der Leistungserbringung.
Gemeinsam für Patientensicherheit
Leider fehlt es an Überwachungsmöglichkeiten etwa durch die KVen, um Todesfälle infolge mangelhafter Infrastruktur und Ablauforganisation während oder nach praxisambulanten Operationen zu verhindern. Darüber hinaus mangelt es in Deutschland gegenwärtig an einem praktisch wirksamen, kontrollierenden Abgleich zwischen den Werbeauftritten von Gesundheitseinrichtungen und der dort tatsächlich gegebenen Infrastruktur und Ablauforganisation. Folglich fehlt Patienten die Möglichkeit, zwischen sicherheitsbewussten Leistungserbringern und „schwarzen Schafen“ zu unterscheiden.
Im Ergebnis können „schwarze Schafe“ unter den Leis- tungserbringern Versorgungsstandards relativieren oder unterwandern, ohne dass die Patienten dies bei ihrer Auswahlentscheidung bemerken. Auf diese Weise drohen nicht nur Patientenschädigungen, sondern auch erhebliche Wettbewerbsnachteile für diejenigen Anbieter, welche die Personalmehrkosten schultern und sich damit in die Gefahr einer „adversen Marktselektion“ begeben.
Daher ist es an der Zeit, Patienten zum Fragen zu erziehen. Unterstützend dazu wird der BAO eine Checkliste herausgeben, mit deren Hilfe Patienten im Vorfeld einer geplanten Operation die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit der ambulanten Narkose klären können.

Ambulante Kinderchirurgie: Beste Gesundheitsversorgung für kleine Patienten
AQS1-Daten belegen die Qualität ambulanter Operationen und zeigen eine hohe Zufriedenheit der Eltern mit der Behandlung.
Von Juliane Dannert

Die Entscheidung für die richtige Behandlung und die Wahl eines geeigneten Arztes treffen Patienten nicht selten ohne die Hilfe von aussagekräftigen Qualitätsindikatoren. Eltern von erkrankten Kindern wird diese Entscheidung erleichtert. Sie können ihren Kinderchirurgen fragen, ob er die Qualität seiner Arbeit mit dem speziellen Dokumentationssystem zur Qualitätssicherung, AQS1-Kinder, nachweisen kann.
Bestnoten für Aufklärung, OP und Betreuung
Als Anbieter des Qualitätssicherungssystems haben wir bei medicaltex über 30.000 Patienten-Bewertungs-Bögen unserer Kunden ausgewertet und kommen zu dem Ergebnis: 99 Prozent aller Eltern würden sich wieder für die ambulante Operation ihres Kindes entscheiden. Die Ärzte erhielten Bestnoten für Aufklärungsgespräche, Operation und Nachbetreuung.
Dr. Klaus Bäcker, Arzt und Geschäftsführer bei medicaltex, erklärte hierzu: „Eingriffe bei Kindern sind etwas Besonderes. Sie erfordern eine gute Organisation, eine hohe Spezialisierung und individuelle Betreuung. Mit den Daten von AQS1-Kinder belegen wir, dass sich Eltern und Kinder bei den Ärzten sicher und gut aufgehoben fühlen. Die teilnehmenden Ärzte haben es geschafft, den Behandlungsablauf perfekt auf die kleinen Patienten abzustimmen. Und das, obwohl sie für Gesprächszeit kein Honorar erhalten.“
Klarheit vor der Operation
Im Vorfeld zu einer Entscheidung für eine ambulante Operation steht die Aufklärung. Eine individuelle Betreuung ist hier ebenso wichtig, wie eine deutliche Schilderung möglicher Risiken. Die befragten Eltern bewerteten die verschiedenen Elemente der Aufklärung auf einer Skala von „1“ für sehr gut bis „5“ für sehr schlecht durchschnittlich als sehr gut. Für die Erläuterung der Diagnosen wurde die Bewertung „1,3“ gegeben. Die Darstellung der Operationsverläufe wurde mit „1,5“ bewertet, ebenso Erklärungen zu möglichen Risiken und Informationen zur weiteren Behandlung. 93 Prozent aller Eltern gaben an, genug Zeit für Fragen gehabt zu haben. Sie wussten, was sie am Operationstag, aber auch in der Zeit danach zu Hause erwartet.
Professionalität am Tag des Eingriffs
Damit Kinder gut behandelt werden können, sind das Vertrauen der Eltern in den Arzt und ein enger Eltern-Kind-Kontakt wichtig. Da Eltern das Kind am besten beruhigen können, sind die Prozesse so zu gestalten, dass die Eltern so lange wie möglich bei ihrem Kind bleiben können. Die Bewertungsergebnisse belegen, dass die Narkose bei den teilnehmenden Ärzten sicher eingeleitet wurde: 93 Prozent der Eltern empfanden die Atmosphäre dabei als ruhig und angenehm, zwei Drittel der Eltern gaben an, dass ihre Kinder vor dem Eingriff ruhig waren. Direkt nach dem Eingriff waren 95 Prozent der Eltern im Aufwachraum bei ihrem Kind, 98 Prozent gaben an, dass ihr Kind gut versorgt wurde.
Mit gutem Gefühl zu Hause
Fast alle Eltern (99 Prozent) bewerteten die Betreuung ihres Kindes zu Hause als sehr gut. Sie hatten für die Kinder ausreichend Medikamente erhalten (96 Prozent) und konnten Operateur oder Anästhesist gut erreichen (97 Prozent). Unerwünschte Ereignisse, etwa eine behandlungsbedürftige Wundinfektion oder Nachblutungen, waren sehr selten
(unter 2 Prozent). 99 Prozent der teilnehmenden Eltern gaben an, sie würden ihr Kind bei Bedarf wieder ambulant operieren lassen.
Datenerhebung für Qualitätssicherung
Grundlage der Datenerhebung ist das Qualitätssicherungssystem AQS1-Kinder von medicaltex. Damit erfassen Ärzte und Eltern prä-, intra-und postoperative Daten zur ambulanten Operation bei Kindern. Praxisbezogene Auswertungen zeigen durch ein Benchmark mit dem Gesamtkollektiv, wie die Qualität in der jeweiligen Praxis ist. Mithilfe der Zahlen können Ärzte Behandlungsprozesse, Medikation und Beratung optimieren und den Patienten Angst vor dem Eingriff nehmen. Für ambulante Eingriffe bei Erwachsen kommt das Qualitätssicherungssystem AQS1 bereits seit
15 Jahren zum Einsatz.

Bundeskongress Chirurgie: Qualitätssicherung durch Befragung von Ärzten und Patienten

Im Rahmen des Bundeskongresses Chirurgie vom 21. bis 23. Feb- ruar 2014 in Nürnberg präsentierte Dr. Klaus Bäcker, Arzt und Geschäftsführer bei medicaltex, in einer Sitzung zum Versorgungsmanagement und zur Patientensicherheit auch bislang nicht publizierte Daten, die medicaltex auf Basis von über einer Million Arzt-Dokumentation und über 474.000 Patienten-Meinungen ausgewertet hat. Alle Daten wurden im Zusammenhang mit ambulanten Operationen erhoben.
Dabei gaben 97 Prozent der Patienten an, der Operateur habe sie gut bis sehr gut über die Diagnose aufgeklärt, beinahe ebenso viele beurteilten die Erklärung der Operation und des Operationsverlaufs mit gut bis sehr gut, 90 Prozent fanden die Aufklärung über Risiken und Vorteile der Operation gut bis sehr gut. Das Urteil „schlecht“ wurde bei den genannten Kriterien von maximal einem Prozent der Befragten vergeben.
Ähnlich große Zustimmung gab es für die Arbeit des Anästhesisten: 95 Prozent fanden die Aufklärung über Art und Ablauf der Narkose gut bis sehr gut, nur unwesentlich geringer war der Anteil derer, die die Aufklärung über Narkoserisiken mit gut bis sehr gut beurteilten. Gleiches gilt für den Anteil der Patienten, die der Meinung waren, dass der Anästhesist ihnen „gut“ bis „sehr gut“ die Angst vor der Narkose genommen habe. Auch bei der Beurteilung der Anästhe- sisten gab es nur sehr wenige unzufriedene Patienten.
Diese überaus hohe Zufriedenheit macht sich auch bei den objek- tivierbaren OP-Ergebnissen bemerkbar: So waren die wenigen Patienten, die sich schlecht über Operation und Narkose aufgeklärt fühlten, fast doppelt so häufig angespannt vor dem Eingriff wie
die überdeutliche Mehrheit der Patienten, die sich gut aufgeklärt fühlten. Gut aufgeklärte Patienten gaben nur sehr selten an, zu wenig Medikamente für die Zeit nach der Operation zu Hause zu haben. Bei den schlecht aufgeklärten Patienten lag dieser Anteil mehr als viermal so hoch. Bei den gut aufgeklärten Patienten kam es so gut wie nie zu einem unbeplanten Arztkontakt (Notfall) im
postoperativen Verlauf – bei den schlecht aufgeklärten Patienten hingegen deutlich häufiger. Darüber hinaus wirkt sich die Qualität der Aufklärung auch auf die Gesamtzufriedenheit mit der ambulanten Operation aus: So würde sich von den Patienten, die sich gut aufgeklärt fühlten, nur ein Bruchteil beim nächsten Mal gegen eine ambulante Operation entscheiden. Bei den schlecht aufgeklärten Patienten waren es hingegen bis zu zehnmal so viele.
Auch mit der postoperativen Betreuung waren die befragten Patien- ten äußerst zufrieden: Zwar gaben nur etwa ein Drittel von ihnen an, nach der Operation habe sie ihr Operateur oder Anästhesist angerufen und sich nach ihrem Zustand erkundigt. Doch 92 Prozent berichteten, ihr Operateur oder Anästhesist sei bei Bedarf für sie jederzeit telefonisch erreichbar gewesen. Ebenso wie die Qualität der präoperativen Aufklärung wirkte sich auch die postoperative Erreichbarkeit unmittelbar auf die Zahl der ungeplanten Arztkontakte, die ausreichende Versorgung mit Medikamenten zu Hause und die Zufriedenheit mit der ambulanten Operation im Allgemeinen aus.
Bäckers Fazit aus der Erhebung war eindeutig: „Patientensicherheit ist ein zentrales Thema in der Qualitätsdiskussion. Hierbei ist die Perspektive des Patienten ein wichtiger zusätzlicher Baustein.“ Gezielte Fragen nach der Zufriedenheit mit Aufklärung und Betreuung seien geeignete Indikatoren. „Wenn rund 99 Prozent
der Patienten zufrieden mit ihrer ambulanten Operation waren, kann man mit Fug und Recht behaupten: Ambulante Operationen sind aus Perspektive der Patienten sicher“, sagte Bäcker.
Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund beachtlich, dass die durchschnittliche Zufriedenheit von Patienten mit Krankenhäusern in Deutschland dem „Patients’ Experience Questionnaire“ (PEQ) von 2013 zufolge mit durchschnittlich 82 Prozent deutlich darunter liegt. Teilnehmer aus dem Plenum regten daher an, die gängigen Benchmarks entsprechend anzupassen: „Nicht mehr wir ambulanten Operateure und Anästhesisten sollten nachweisen, dass wir die gleiche Qualität wie Krankenhäuser erbringen, sondern umgekehrt!“

Versicherungen: Krankentagegeldversicherung für Ärzte und Zahnärzte
Niedergelassene Ärzte müssen sich als Freiberufler selbst um die
finanziellen Folgen kümmern, wenn sie arbeitsunfähig werden.
Von Bernd Helmsauer

Die Arbeitskraft ist das größte Vermögen eines jeden Erwerbstätigen und zugleich ein zerbrechliches Kapital. Darauf hat die Firma Helmsauer & Kollegen Assekuranzmakler AG hingewiesen. Kein schönes Szenario: Sie sind krank und können mit Ihrer Praxis keinen Umsatz erwirtschaften. Dennoch laufen Ihre privaten und geschäftlichen Kosten weiter, und auch Ihre Familie und Sie brauchen Geld für den Lebensunterhalt. Im Ernstfall muss vielleicht sogar ein Arzt als Praxisvertreter für den Ausfallzeitraum beschäftigt werden. Andererseits bedeuten Krankheiten oder Unfälle auch für angestellte Mediziner oft horrende Finanzlücken.
Versicherung kompensiert finanziellen Ausfall
Die Krankentagegeldversicherung ist eine Summenversicherung, die einen abstrakten Bedarf des Arztes deckt, der auf das Nettoeinkommen begrenzt ist. Die vereinbarten Krankentagegeldsummen werden im Versicherungsfall – unter Berücksichtigung von Karenztagen – kalendertäglich bis zum Wegfall der Arbeitsunfähigkeit geleistet. Die Vor- züge der Krankentagegeldversicherung sind:
» keine Prüfung des konkreten Praxisertragsausfalls bei Arbeitsunfähigkeit,
» frei wählbare Summen bis Höhe des Nettoeinkommens,
» die Leistungen werden für die gesamte Arbeitsunfähig-
keit auch an Sonn- und Feiertagen steuerfrei ausgezahlt,
» Unkündbarkeit von Seiten des Versicherers,
» attraktive Rahmenkonditionen für BAO-Mitglieder.
Spezielle Rahmenkonditionen der Helmsauer & Kollegen Assekuranzmakler AG bieten weitere attraktive Vorteile:
» Annahmegarantie (Kontrahierungszwang),
» Entfall der allgemeinen und besonderen Wartezeiten, » besonders günstige Beiträge,
» Krankentagegeldversicherung auch als „Solo-Produkt“
zur bestehenden Krankenversicherung (PKV/GKV),
» Auszahlungsbeginn bereits ab dem vierten Tag möglich,
» Weisungsrecht vom Krankenbett (Anwälte und Steuerberater/ Wirtschaftsprüfer),
» Fortführungsmöglichkeit des Krankentagegeldtarifs über das 70. Lebensjahr hinaus bis zum 75. Lebensjahr,
» regelmäßige einkommensabhängige Leistungs- anpassung möglich.
Mit einer Krankentagegeldversicherung können Sie sich somit im Ernstfall entspannt zurücklehnen und sich ganz auf das Wichtigste konzentrieren: gesund zu werden.
Im Laufe der Zeit Krankentagegeld anpassen
Allerdings erleben wir in der Praxis oft, dass viele Ärzte etwa zu Praxisgründungszeiten eine angemessene Krankentagegeldabsicherung getroffen haben, diese jedoch in den Folgejahren zum Teil nicht mehr überprüft geschweige denn angepasst wurde. Dies gilt natürlich auch bei angestellten Medizinern, die im Laufe Ihres Erwerbszeitraums eine Einkommenssteigerung erzielen.
Hier entstanden oder entstehen leicht enorme Versicherungslücken. Wir empfehlen Ihnen daher dringend, in regelmäßigen Abständen Ihre bestehende Krankentagegeldabsicherung zu prüfen oder prüfen zu lassen. Gerne können Sie die Möglichkeit nutzen, Ihren bestehenden Versicherungsschutz von den Experten der Helmsauer & Kollegen Assekuranzmakler AG überprüfen zu lassen. Über die speziell für BAO-Mitglieder eingerichtete Hotline erhalten Sie unter der Rufnummer
0911 9292-185 weitere Informationen oder vereinbaren den Rückruf des zuständigen Regionalbetreuers.

AOP-Kurse für Medizinische Fachangestellte: Sonderkonditionen für BAO-Mitglieder
Der 60-stündige berufsbegleitende Lehrgang integriert
fachtheoretischen sowie fachpraktischen Unterricht.
Von Dr. Tankred Haase


Der Bereich „Ambulantes Operieren“ bietet für Medizinische Fachangestellte (MFA) ein attraktives und spannendes Aufgabenfeld, das Zusatzkompetenzen erfordert. Die Arbeit umfasst die operationstechnische Assistenz während der Operation sowie die Vor- und Nachbereitung aller damit verbundenen Maßnahmen, von der psychosozialen Betreuung der Patienten bis zur Instrumentenaufbereitung und Sterilisation. Dazu kommen viele Aufgaben rund um die Operationsplanung und -organisation.
Curriculum vermittelt Fachkenntnisse

Die dafür notwendigen Fachkenntnisse vermittelt das Curriculum strukturiert in Theorie und Praxis. Es schafft damit die Voraussetzungen für eine systematische Einführung in diesen anspruchsvollen Bereich. Die Fortbildung entspricht der Verordnung zur Qualitätssicherung beim ambulanten Operieren gemäß § 14 des Vertrages nach
§ 15 SBG V sowie der Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung ambulanter Operationen.
Unsere Firma H4learning bietet entsprechend dem Fortbildungscurriculum der Bundesärztekammer als Schwerpunktfortbildung für Arzthelfer/innen, MFA und Angehörige anderer Gesundheitsberufe mit entsprechenden Teilnahmevoraussetzungen einen 60-stündigen berufsbegleitenden Lehrgang an, der fachtheoretischen sowie fachpraktischen Unterricht integriert. Leitziel ist die fundierte Ausbildung der Teilnehmer für eine qualifizierte Unterstützung des Arztes/der Ärztin bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachsorge ambulanter Operationen.
Zehn Themenkomplexe in drei Modulen
Der Lehrgang gliedert sich inhaltlich in zehn Themenkomplexe, die in drei Modulen in Theorie und praktischen Übungen vermittelt werden. Zur Zertifizierung müssen alle drei Module besucht und die Prüfung abgelegt werden. Die Prüfung findet im Rahmen von Modul 3 statt. Dabei werden folgende Themenkomplexe abgefragt:

» Überblick medizinische und strukturelle Grundlagen,
» allgemeine Grundkenntnisse der Instrumenten- und Materialkunde,
» Hygiene, Instrumentenaufbereitung und Sterilisation,
» Anästhesieverfahren,
» perioperative Notfälle,
» peri- und intraoperativer Ablauf,
» psychosoziale Betreuung der Patienten,
» Verwaltung und Organisation,
» Dokumentation, Recht und Arbeitsschutz.

Die Kursgebühr für drei Module (60 Stunden inklusive Prü- fung) beträgt 650 Euro zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer und enthält Seminarunterlagen, Betreuung und Administra- tion. Nicht enthalten sind Reise- und Übernachtungskosten sowie Verpflegungskosten. Der nächste Kurs beginnt am 31. Oktober 2014, die Termine liegen jeweils Freitag/Sams- tag ganztägig. Das erst Modul findet statt am 31. Oktober/ 1. November 2014, das zweite Modul am 14./15. November 2014 und das dritte Modul am 28./29. November 2014. Veranstaltungsort sind die Fortbildungsräume der Firma Henry Schein Medical in Berlin-Moabit.
Zehn Prozent Rabatt für BAO-Mitglieder!
BAO-Mitglieder erhalten für ihre Praxisangestellten einen Rabatt von zehn Prozent auf die Kursgebühr. Wer von dem Rabatt profitieren möchte, muss lediglich auf der Internet-Anmeldeseite oder auf dem Flyer-Anmelde- formular ankreuzen, dass er BAO-Mitglied ist, und seine BAO-Mitgliedsnummer angeben.

BAO Depesche
Organ des Bundesverbandes Ambulantes Operieren (BAO)
Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt
Bundesverband Ambulantes Operieren (BAO) e.V. Sterntorbrücke 1,
53111 Bonn Tel.: 0228 692423, Fax: 0228 631715 baobonn@t-online.de
www.operieren.de
Verlag, Anzeigen und Vertrieb
VMK Verlag für Medizinkommunikation GmbH Essener Straße 4, D3, Belle Etage, 22419 Hamburg info@vmk-online.de, www.vmk-online.de

Justiziar des BAO

Kostenfreie Mitglieder Telefon-Hotline für alle rechtlichen Fragen
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Chirurgen Magazin + ...

Heft 83, Ausgabe 1 – Februar 2017
Praxismanagement: Wie schütze ich meine Praxis für den Notfall vor finanziellem Chaos und Insolvenz?
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autsch!

autsch! Wenn Politik weh tut Politik drängt ambulante OP-Praxen ins Abseits.
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Helmsauer & Kollegen...

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Persönlicher Kontakt, Vertrauen und Stabilität stehen bei uns an erster Stelle, wenn es um die Beratung im Bereich der Versicherung, Betriebswirtschaft sowie der Abrechnung geht.
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Partner PKG

Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft (PKG) e.V. ist ein Zusammenschluss von Operationszentren, Tages- und Praxiskliniken und medizinischen Versorgungszentren, in denen ambulante und praxisklinische Operationen durchgeführt werden.
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Partner AND

Das AND e.V. als Zusammenschluss regionaler Anästhesie-Netze und –Genossenschaften vertritt auf Bundesebene Interessen der freiberuflich tätigen und niedergelassenen Anästhesisten.
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BVASK

Der Berufsverband für Arthroskopie e. V.
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